Freitag, 6. Februar 2015

Raab, Thomas: Still - Chronik eines Mörders (Hörbuch)


Jettenbrunn, ein kleines Dorf am Fuße eines Kalvarienberges. In dieses Elysium wird eines der bedauerlichsten und grausamsten Wesen zugleich geboren: ein Junge, der mit dem Makel des sensibelsten Gehörs geschlagen wurde, das es je gab. Jedes Geräusch, jeder Flügelschlag eines Schmetterlings ist für ihn unerträgliche Qual. Also schreit er. Schreit sich den Schmerz aus der Seele. Seine zudringliche Mutter hört es, aber versteht es nicht. Einzig der schalldichte Keller scheint dem Jungen Ruhe zu bringen. So wächst er heran, isoliert, schweigsam. Bis zu jenem unheilvollen Nachmittag am Weiher. Zuerst tötet er seine Mutter, schließlich das halbe Dorf. Dann zieht er halbwüchsig hinaus in die Welt. Ein unheimliches Geschöpf, das sich seinen Opfern lautlos nähert und doch nie findet, wonach es mit aller Macht sucht.

Frank Arnold ist ein meisterhafter Interpret und hat den Deutschen Hörbuchpreis 2014 erhalten. Im Spannungsbereich ebenso zu Hause wie im literarischen Genre, findet er für jeden Stoff die richtige Haltung. Thomas Raab sagt über ihn: »Als würde die Stimme, die mir mein Buch diktiert, nun leibhaftig zu mir sprechen.«





  • Audio CD
  • Verlag: Argon Verlag; Auflage: 1 (14. Januar 2015)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3839813514
  • ISBN-13: 978-3839813515








ANDERS...





1982 wird in einem kleinen Dorf am Fuße des Kalvarienberges ein Kind geboren. Karl Heidemann, der das Glück seiner Eltern komplettieren soll, durchstößt die Stille der Dorfgemeinschaft. Er schreit. Und er hört nicht auf zu schreien. Tag und Nacht ertönt seine durchdringende Stimme, nur unterbrochen durch kurze Phasen schweißnassen und erschöpften Schlafes.  Der Alptraum seiner Eltern, des ganzen Dorfes. Einzig auf dem Rücken seines Vaters, wortlos durch die Wälder getragen, kommt Karl zur Ruhe. Denn es ist endlich - still.
Karl ist anders. Er hat eine Gabe, die sich für ihn zu einem Martyrium entwickelt. Er hat das sensibelste Gehör, das es je gab, eine Empfindsamkeit, die selbst den hauchzarten Flügelschlag eines Schmetterlings für ihn zu einer unsäglichen Qual werden lässt. Als der Vater zu begreifen beginnt, verlegt er Karls Zimmer in den ruhigen Keller. Dort wächst er auf, versorgt zwar, aber doch isoliert, denn menschliche Gesellschaft scheint ihm unerträglich. Traurig die Mutter, die ihn nicht begreift, die sich ungeliebt fühlt, keinen Zugang finden kann zu ihrem Sohn. Kein Wort kommt über die Lippen dieses seltsamen Jungen, dick, blass und schweigsam stößt er jeden ab, wirkt zurückgeblieben. Und doch ist Karl hochintelligent, begreift schnell, beobachtet, zieht Schlüsse...


 "Aus liebenden Herzen wurden betrogene eines Tages, verletzte und wurden sie es nicht, kam irgendwann das Sterben der einen und ließ die anderen als Fragende, Verlorene, zurück. Verloren, weil in Karls Augen eines nicht begriffen werden wollte: Der Tod war alles, nur keine Beraubung."


Was für ein (Hör-)Buch! Wer einen reinen Thriller erwaret, wird hier womöglich enttäuscht - obwohl es Tote gibt. Viele Tote. Hunderte sicherlich. Denn Karl zieht eine Schneise des Todes durch sein Leben. Doch dieses Buch ist - anders.
Diese 'Chronik eines Mörders' bietet einen tiefen Einblick in das Leben Karl Heidemanns. Leise aber eindringlich lässt Thomas Raab den Leser eintauchen in die Welt des Jungen, lässt begreifen, beinahe fühlen, wie dieser denkt, empfindet, entdeckt. Nicht wirklich sympathisch erscheint Karl - bedauernswert, ja, aber fremd und unheimlich, und doch... Und doch entspinnt sich hier eine ganz eigene Logik, erscheint nachvollziehbar, weshalb Karl handelt, wie er handelt. Langsam, behutsam, gleitet die Geschichte voran - und damit das Leben Karl Heidemanns. Ein Tempo, das zuweilen langatmig erscheinen mag, und das doch einfach der Geschichte den notwendigen Raum gibt, sich zu entwickeln - und mit ihr Karl.

Gerne habe ich das Schicksal Karl Heidemanns verfolgt, und aus einem Befremden wurde ein Verstehen wurde ein Berührtsein. Für mich mehr, als ich erwartet hatte, ein staunendes Überraschtsein. Die Befürchtung, womöglich Parallelen zu 'Das Parfum' von Patrick Süskind präsentiert zu bekommen, bewahrheitete sich nicht, denn auch hier ist das Buch - anders.
Beeindruckend, nachhallend, intensiv - ein sehr tiefer Blick in eine menschliche Seele, hervorragend gelesen von Frank Arnold, der der unaufgeregten Geschichte eine ruhige, unaufgeregte Stimme verleiht und doch der Intensität der Erzählung Rechnung trägt. Hier passt einfach alles zusammen.

Ein ganz besonderes Hörbuch, wobei die Erzählung und der Sprecher eine perfekte Symbiose eingehen. Eine wirkliche Überraschung für mich, der ich gerne die volle Punktzahl vergebe.


© Parden








Trailer zu 'Still - Chronik eines Mörders' von Thomas Raab




XXL-Hörprobe von 'Still - Chronik eines Mörders' von Thomas Raab







Thomas Raab, geboren 1970 in Wien. Kindheit in Ordnung, Schulzeit mühsam, eigentlich sehr mühsam, im Grunde nahe des Wahnsinns, wäre da nicht das Klavier gewesen, sozusagen Gratis-Psychotherapie.

1988 Matura, uff. Dann erste Versuche als Liedermacher, inklusive Studienabschluss Mathematik & Sport, folglich zurück in die Vergangenheit, weil war ja so schön die Schulzeit!!! Offene Rechnung also. Danach 10 Jahre als Schizophrener Rechnung begleichen: Einerseits Mathe-, Sport-, Musiklehrer an einem Wiener Gymnasium, andererseits tätig im Musical- und Musiktheaterbereich, UND vor allem, unterwegs mit Bande als Singer- Songwriter.
DANK dieses Geträllers Jackpot, sprich eine Ehefrau gefunden, die Schauspielerin Simone Heher, gutes Leben, schönes Leben ...
Und schließlich eines schönen Tages im Jahre 2006 plötzlich diese Idee, plötzlich dieser im Kopf so lebendig gewordene Fremde, ein Restaurator, plötzlich dieser Drang ihn kennenlernen zu wollen, schreibend, näher, immer näher & nicht mehr aufhören können, …
Ein paar Monate später: DER METZGER MUSS NACHSITZEN, Debüt-Roman, Neugeburt, gutes Leben, schönes Leben. DANKE.
Seither freischaffender Autor und Musiker, Leben in vollen Zügen, ja auch der ÖBB und DB, … 
Quelle Text und Bild



1 Kommentar:

  1. Hi, klasse rezi! wann erscheint Endlich die Netzwerk-Orange?? Bin schon ganz kribbeligg. Grüsse auf Westfalen: Ruchi

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