Mittwoch, 4. Februar 2015

Osborn, David: Jagdzeit

Das Genre der Kriminalliteratur zählt eigentlich nicht zu meiner bevorzugten Lektüre (obwohl ich mir eigentlich vor dem Hintergrund meines Berufes die dafür aufgewendete Zeit als Überstunden aufschreiben könnte :-) ).
Doch lassen wir den Spaß einmal beiseite.
Das Buch Jagdzeit von David Osborne ist weder neu auf dem Buchmarkt noch ist es (meiner Meinung nach) das, was man einen klassischen Kriminalroman nennt.
Die amerikanische Originalausgabe des Buches erschien bereits im Jahre 1974 unter dem englischen Titel Open Season, und es ist ein Hybrid zwischen Thriller und Kriminalroman. Das Buch wurde in den 1970´iger Jahren mit Peter Fonda in einer der Hauptrollen auch verfilmt. Ich habe mir den Film nach der Lektüre auch angesehen, muss aber sagen:
Bitte lest das Buch, es ist um Längen besser als die etwas flache, etwas lieblose filmische Umsetzung!
Das Buch hingegen erzeugt Hochspannung von der ersten bis zur letzten Seite, und deswegen ist es auch das, was man im Englischen einen page turner nennt. Die Charaktere, ihre Handlungen, Motive und Reaktionen sind psychologisch stimmig gezeichnet und der Autor bleibt, bei aller Action und Schilderung der brutalen und verstörenden Handlung, nicht an der Oberfläche:
Dies gilt sowohl für die inneren Befindlichkeiten der Akteure als auch für die geradezu plastische Beschreibung grausamer Einzelheiten. Ein Thriller, wie gesagt, und nichts für schwache Nerven!
Aber gerade das wollen wir ja: Eine ungewöhnliche Geschichte, viiiieeel Spannung, Nervenkitzel und Gänsehaut.

"In Jagdzeit geht es um die dunkle Seite des Menschen allgemein, die immer und überall zutage tritt. Seit Erscheinen meines Buches hat sich die Menschheit diesbezüglich bedauerlicherweise nicht verändert." (David Osborn)

"David Osborn rechnet in Jagdzeit mit der US-Mittelschicht der 1970er Jahre ab. Osborn beobachtet, er erklärt nicht - er verstört". (Kulturzeit).

Die Story:

Die drei Freunde und Vietnam-Veteranen Greg, Ken und Art sind beruflich erfolgreiche Ehemänner und liebevolle Väter. In ihrer kleinen Vorstadt spielen sie gegenüber ihren Frauen und Kindern und in ihren Jobs die perfekten Gentlemen.
Einmal im Jahr gehen sie zusammen auf einen Jagdausflug. Und hier zeigen sie ihre wahren Gesichter: Sie entführen Pärchen, um sie in der Wildnis auszusetzen und zu jagen. Zuvor aber feiern sie in ihrer einsamen Jagdhütte bizarre und brutal Orgien mit viel Alkohol. Mit subtilen Methoden,
notfalls auch mit roher Gewalt, werden  ihre Opfer erniedrigt und gezwungen, sich für sexuelle Ausschweifungen "zur Verfügung zu stellen". In diesen Extremsituationen, die psychologisch absolut nachvollziehbar dargestellt werden, sind die Reaktionen der Opfer sehr realistisch beschrieben: Ihre Variationen reichen von absoluter Unterwerfung bis hin zu offenem Widerstand.
Erst kurz vor Ende ihrer Gefangenschaft wird den Entführungsopfern klar, dass sie dem Tode geweiht sind: Sie erhalten 30 Minuten Vorsprung, um sich in die Wälder zu flüchten. Als die "Jäger" sich auf den Weg machen, um ihre Beute zu erlegen, müssen sie sehr schnell feststellen, dass sie dieses Mal die Rechnung ohne einen Unbekannten gemacht haben und so werden sie am Ende selbst zur gehetzten Beute...

Der Autor

David Osborn ist Jahrgang 1923. Er arbeitete u.a. als Theater-und Drehbuchautor. In der amerikanischen McCarty-Aera wurde er drangsaliert und emigrierte nach Frankreich. Hier erwarb und betrieb er einen Steinbruch. 1974 errang er mit Jagdzeit internationalen Erfolg als Buchautor.
Osborn lebte zuletzt in Connecticut/USA.

David Osborn
Jagdzeit
Taschenbuch, 265 Seiten
Büchergilde Gutenberg
alternativ: Verlag: Pendragon; Auflage: 1. (7. Februar 2011)
  • ISBN-10: 3865322093
  • ISBN-13: 978-3865322098
  • DNB

    1 Kommentar:

    1. Die Story kommt mir als Film bekannt vor, nur Peter Fonda ist mir gar nicht erinnerlich. Vielleicht gibt es da auch ein Remake?

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