Dienstag, 17. Februar 2015

Dehe & Engstler: Ein starkes Team




Es war im Juni 2014, als ich das Buch "Auflaufend Wasser" von Astrid Dehe und Achim Engstler las und die Novelle hier bei Litterae Artesque vorstellte.
Astrid Dehe und Achim Engstler
Diese Rezension war die Brücke, die zu einem Facebook - Kontakt zu Achim Engstler führte. Zunächst blieb es bei einem gelegentlichen Austausch von Nachrichten, bis ich das nächste Buch von Achim Engstler und Astrid Dehe, nämlich "Nagars Nacht", gelesen hatte.
Da das Internet ja die tolle Möglichkeit bietet, auch über weite Entfernungen (Achim Engstler wohnt in Friesland) Kontakte quasi in "Echtzeit" zu pflegen, nahm ich mir ein Herz und fragte ihn per Facebook geradeheraus, ob ich nicht einmal ein Interview für unseren Blog mit ihm und Astrid Dehe führen könnte. Gedacht hatte ich dabei an ein Interview per Email.
Aus dieser Idee heraus entstand dann das nachfolgende Exclusiv-Interview mit den beiden sympathischen Autoren, das, kaum hatte ich es zu hoffen gewagt, dann sogar bei einem persönlichen Treffen stattfinden konnte! Denn, wie der Zufall es wollte, wohnt und lebt Astrid Dehe nur ca. 45 Autominuten von meiner Heimatstadt Unna entfernt, und da die beiden ohnehin regelmäßige Arbeitstreffen abhalten, waren sie so freundlich, etwas Zeit für mich "freizuschaufeln", wie Astrid Dehe es in Ihrer Mail an mich nannte.
Ein Termin war dann schnell gefunden, und am Freitag, den 13.02.2015, war es dann soweit.
Amelsbüren ist ein kleines, beschauliches Örtchen in der Nähe von Münster. Hier hatten die beiden ein nettes Lokal ausgesucht, wo das Interview stattfinden sollte.
Interviews hatte ich (beruflich und als Lokalpolitiker) schon einige mitgemacht, aber noch nie in der Rolle des Interviewers.
Aber, so dachte ich mir, was soll´s, ich habe in meinem Beruf als Polizeibeamter schon etliche Vernehmungen durchführen müssen, und das ist ja schließlich auch immer so eine Art von Interview, oder etwa nicht? In beiden Fällen versucht man schließlich, an Informationen zu kommen!
Einziger Unterschied: Auf eine Belehrung über ihre Rechte konnte ich in diesem Falle vor Beginn der Befragung verzichten!
Aber um es gleich vorweg zu sagen:
Frau Dehe und Herr Engstler erwiesen sich als ausgesprochen nette Leute, die sich sehr aufgeschlossen zeigten und es mir leicht gemacht haben, indem sie durch ihre freundliche Art erst gar keine Nervosität bei mir aufkommen ließen.
Als ich am Treffpunkt etwa 15 Minuten vor der verabredeten Zeit eintraf, saßen die beiden schon an einem Tisch, und ich konnte sie durch ein Fenster bereits von draußen sehen.
Also nichts wie rein.
Begrüßung und gegenseitige Vorstellung.
Dann:
Aufwärmphase bei Mineralwasser, Apfelsaftschorle, Kaffee und Cappuchino.
Leichtes "Abtasten", Smalltalk.
Ich merke: Schnell entsteht eine wirklich lockere Gesprächsatmosphäre.
Ich spüre: Da ist Neugierde auf beiden Seiten.
Und Sympathie.
Was jetzt kommt, ist für mich wie ein Lehrstück:
Bereits im Vorgespräch erfahre ich eine Menge.
Aber ich habe ja noch 20 vorbereitete Fragen im Gepäck, hole also mein Konzeptpapier aus dem Rucksack und frage, ob wir beginnen sollen.
Zustimmung.
Also beginne ich mit meinen Fragen und stelle schon bald fest: Mein Konzept, Frage für Frage durchzuarbeiten, funktioniert nur bedingt. Das Interview (die Vernehmung hi hi) gerät mehr zu einem angeregten Gespräch, weniger zu einer Fragestunde. Manchmal fallen mir spontan zusätzliche Fragen ein, im Gespräch ergibt sich fast zwangsläufig die eine oder andere Verzweigung, ich vergesse oft, in der Hitze des "Gefechts", mir Notizen zu machen. Achim Engstler schafft es, die Antworten auf viele meiner Fragen vorwegzunehmen, bevor ich sie überhaupt gestellt habe. Das kann nur heißen, dass ich mit meinen vorbereiteten Fragen gar nicht so daneben liege!
Zum Glück habe ich ein recht gutes Gedächtnis, kenne mich mit solchen Situationen aus. Manches notiere ich mir dann doch, aber vieles behalte ich im Gedächtnis und schreibe es später als Gedächtnisprotokoll nieder.
Mittlerweile bin ich mit meinem Fragenkatalog völlig aus der Reihenfolge geraten. Am Ende gebe ich es fast auf, mich daran zu halten, nutze die Blätter nur noch als Notizzettel und als Gedächtnisstütze, um nichts von dem zu vergessen, was mir wichtig erschien.
Zwischendurch kommen die Speisekarten, und wir bestellen erstmal, lösen uns aus der Interviewsituation. Dann, beim Essen, führen wir wieder ein lockeres Gespräch, ich kann vieles noch einmal nachfragen, vertiefen.
Astrid Dehe und Achim Engstler sind zwei Menschen, in deren Gegenwart, im Dialog mit ihnen, die Zeit wie im Fluge vergeht.
Nach dem Essen sind bereits schon gut zwei Stunden um, und wir setzen das unterbrochene Interview fort. Ich habe gerade mal ein Drittel meiner Fragen gestellt.
Also erhöhe ich die Schlagzahl, und die beiden halten mit.
Mit Begeisterung erzählen sie mir von ihrem neuesten Buchprojekt.
Ich höre fasziniert zu und stelle immer wieder fest:
Die beiden verfügen über eine ausgezeichnete Bildung:
Kein Wunder, sind ja beide Akademiker, denke ich.
Dennoch: Kein Hinweis auf "abgehoben sein", geschweige denn auf Arroganz. Ganz normale Menschen, mit einem hohen Bildungsniveau, offenbar ehrlich begeistert von ihrer Arbeit und ganz offensichtlich begabt, Menschen für sich einzunehmen.
Und mit Phantasie. Das alles sind gute Voraussetzungen für ihr Metier!
Nebenbei erfahre ich, dass die beiden mittlerweile regelmäßig Gäste bei Litterae Artesque sind. Das fasse ich als Kompliment auf!
Beiläufig fällt die Bemerkung, dass beide neugierig "auf mich" waren. So unterhalten wir uns auch über mich, über Anne Parden und Uwe Rennicke, über unseren Blog, über meinen Beruf.
Jetzt werde ich als ebenfalls interviewt, empfinde es aber gar nicht so. Das, was ich sehe, ist: ehrliches Interesse.
Wir fassen gemeinsam ein erneutes Treffen im Herbst auf der Frankfurter Buchmesse in´s Auge.
Ich sehe auf die Uhr - gut 3 Stunden sitzen wir jetzt zusammen, und keine davon war langweilig! Aber nun sind alle Fragen beantwortet.
Als wir uns trennen habe ich das Gefühl, ich verabschiede mich von Freunden.

Und hier das Interview:


15 Fragen an die Autoren von Auflaufend Wasser und Nagars Nacht, Astrid Dehe und Achim Engstler:

Ein Interview

Guten Tag Frau Dehe, Herr Engstler. Ich freue mich sehr, dass Sie sich die Zeit für dieses exclusive Gespräch nehmen. Die Leser des Blogs Litterae Artesque sind sicher neugierig, etwas über die Autoren von Auflaufend Wasser und Nagars Nacht zu erfahren.

 Frage 1

Autorenteams sind eher selten. Wie kam es zu Ihrer Zusammenarbeit?

Dehe (lachend):
Das ist eine lange Geschichte. Wollen Sie die kurze oder die lange Fassung?

 Das überlasse ich Ihnen!

Dehe:
Nun, Achim und ich sind uns vor 25 Jahren bei einem Seminar über den Schriftsteller Robert Musil (Der Mann ohne Eigenschaften) begegnet und seitdem befreundet. Unsere schriftstellerische Zusammenarbeit begann dann aber erst Anfang 2008 mit unserem Buch Kafkas komische Seiten (erschienen 2011 beim Steidl Verlag).

Engstler:
Uns verbindet, neben vielem anderen, die Liebe zu den Werken Franz Kafkas.

 Zwischenfrage:
Erzählen Sie uns etwas über Ihre Vita?

Dehe:
Ich habe nach einem Studium der Fächer Deutsch und Kath. Theologie Tätigkeiten als Journalistin und Übersetzerin ausgeübt; außerdem war ich Lehrerin an verschiedenen Schulen, zuletzt als Oberstudienrätin in Münster. Ich lebe in der Nähe von Münster.

Engstler:
Nach einem Studium der Fächer Deutsch, Philosophie, Pädagogik und Publizistik folgten Lehrtätigkeiten an verschiedenen Universitäten; seit 1997 war ich freiberuflich tätig als Autor und Dozent in der Erwachsenenbildung sowie Leiter eines Bildungswerkes.
Ich lebe in Friesland.

 Was sind die Vorteile, wenn man im Team arbeitet?

Engstler:
Man ergänzt sich. Wir lernen viel voneinander!

Dehe:
Ja, und wir sind sehr analytisch bei der Auswertung unseres Quellenmaterials. Da ergänzen wir uns. Auch die Recherchen zu einem neuen Buch sind ja teils sehr aufwändig. Aber eigentlich gehen wir nicht wirklich arbeitsteilig vor. Es ist zum Beispiel so gut wie nie der Fall, dass wir vorher festlegen, wer welchen Beitrag zu einem Buch leistet. Das gilt übrigens auch beim Schreiben!

 Frage 2

Kafkas dunkle Augen ist der Titel Ihres neuesten Buches, das vor wenigen Tagen erst erschienen ist. An dieser Stelle sage ich herzlichen Dank für das signierte Belegexemplar, dass Sie mir am Anfang unseres Gespräches überreicht haben!
Sie haben damit bereits Ihr zweites Buch zum Thema Kafka vorgelegt. Woher rührt Ihre Affinität zu Franz Kafka?

Dehe:
Ich bin Kafka-Fan seit meiner Schülerzeit.

 Engstler (dem man die Begeisterung und große Sachkenntnis für dieses Thema deutlich anmerkt): Ja, ich bin auch bereits seit meiner Schulzeit begeisterter Kafka-Leser und habe mich seitdem intensiv mit seinen Werken beschäftigt. Die Beschäftigung mit Kafkas Werk führte natürlich zum Studium herausragender Kafka-Biografien, insbesondere der von Reiner Stach, mit dem wir mittlerweile persönlich befreundet sind. Engeren Kontakt haben wir auch zu Peter Staengle, einem der Herausgeber der im Stroemfeld Verlag erscheinenden historisch-kritischen Kafka-Ausgabe.

 Sind Sie Kafka-Experten?

 (Beide sehen sich zweifelnd an).

Dehe:
Wir sind Kafka-Autoren.

 Engstler:
Wir wollen uns Kafka und seinem Werk auf erzählerische Weise nähern, dabei aber das akademische Niveau nicht unterschreiten.

 Dann beantworte ich diese Frage aus meiner Sicht und an Ihrer Stelle mit einem Ja!
Aber lassen wir das. Wenden wir uns lieber der nächsten Frage zu...

 Frage 3:

Kafkas Werke zählen zur Weltliteratur, aber sie gelten beim "Durchschnittsleser" allgemein als schwierig und sind geprägt von einer düsteren Atmosphäre und einer pessimistischen Weltsicht des Autors.
Besitzt Kafka auch eine humoreske Seite?

Dehe und Engstler (fast gleichzeitig):
Lesen Sie unser Buch "Kafkas komische Seiten". Insbesondere das Vorwort!

 Frage 4:

Frage 3 bezieht sich insbesondere auf den "schlechtesten Heiratsantrag aller Zeiten", den Franz Kafka an seine langjährige Verlobte richtete und von dem uns der Autor Florian Illies in seinem Buch: "1913: Der Sommer des Jahrhunderts" berichtet.
Diese Anekdote wirkt aus heutiger Sicht eher unfreiwillig komisch.
War Franz Kafka depressiv?

Engstler (nachdenklich):
Nein, sicher nicht im klinischen Sinn.
Wenn Sie seine Biografie studieren, dann entsteht eigentlich eher das Bild eines humorvollen und lebensbejahenden Mannes vor unseren Augen.
(Denkt nochmals nach, und dann mit Nachdruck):
Nein, Franz Kafka war keinesfalls depressiv!

 Frage 5:

Verlassen wir das Thema Franz Kafka.
Meine erste Begegnung mit Astrid Dehe und Achim Engstler hatte ich bei der Lektüre der Novelle "Auflaufend Wasser".
Wie entstand die Idee zu dieser Novelle?

Engstler:
Das war hauptsächlich Astrids Verdienst.

Dehe:
Ja, als ich bei einem Ferienaufenthalt auf Baltrum von der tragischen Geschichte des Tjark Evers erfuhr und im Inselmuseum in einer Glasvitrine das dort ausgestellte Original seines Notizheftes mit den letzten handschriftlichen Eintragungen an seine Verwandten sah, war ich fasziniert.
Danach ließ mich das Thema nicht mehr los...

Engstler:
Dennoch war es ein langer und schwieriger Weg, z.B. Einsicht in das Büchlein nehmen zu können.
Zumal die Nachkommen der Familie Evers, die nicht mehr auf Baltrum ansässig ist, wenig Interesse an der literarischen Aufbereitung zeigten...

Astrid Dehe und Achim Engstler während des Interviews mit dem TinSoldier
Frage 6:

Dichterfürst Goethe charakterisierte die literarische Form der Novelle treffend als die Erzählung einer "sich ereigneten unerhörten Begebenheit".
Wie ist es Ihnen gelungen, sich so hautnah in die "unerhörte Begebenheit" rund um die Geschichte des Tjark Evers hinein zu fühlen?

Dehe:
Wir arbeiten, wie gesagt, sehr analytisch. Als wir das Original endlich sehen durften und alle Eintragungen lesen konnten (im Museum sieht man ja nur einen kleinen Ausschnitt von 2 Seiten), stellten wir fest, dass die Einträge in dem Büchlein nicht in einer chronologischen Reihenfolge auftauchten. Das konnte nur bedeuten: Tjark Evers hat sein Schreibheft mehrfach in seine Tasche gesteckt, nachdem er glaubte, fertig zu sein und alle Eintragungen vorgenommen zu haben. Wenn er es dann wieder hervorholte, weil  es ihm wichtig war,  in diesen dramatischen letzten Minuten seines Lebens noch etwas hinzuzufügen, dann  schlug er offenbar das Büchlein an beliebiger Stelle wieder auf und schrieb. So finden sich zwischen seinen Eintragungen teilweise leere Seiten und die Chronologie der Eintragungen entspricht nicht der zeitlichen Reihenfolge, in der sie geschrieben wurden.
Das Schriftbild, anfangs noch in schöner Schreibschrift mit großen Buchstaben, verändert sich bei den späteren Eintragungen zusehends: Die Schrift wird immer kleiner, die Handschrift zittriger.
Den "Schlusspunkt" setzte Tjark Evers schließlich mit einer endgültigen Geste, indem er sein Büchlein mit dem Bleistift zusammen in die Zigarrenkiste steckte:
Jetzt gab es nichts mehr zu schreiben!

Engstler:
Daraus, und aus allem was wir wissen, ließ sich für uns ein Bild zusammensetzen, wie die letzten Minuten im Leben des Tjark Evers gewesen sein mochten: In der kalten, ansteigenden Flut im  nur 1 Grad kaltem Wasser stehend, seine Abschiedszeilen an die Familie zu richten, den Tod vor Augen...

Dehe:
Ja, aus dem sich verändernden Schriftbild und dem Duktus kann man vieles herauslesen.
Und dann schreibt dieser junge Mann voller Selbstbewusstsein:

"Ich bin Tjark Evers aus Baltrum [...]", während seine Familie zu gleichen Zeit in der nicht weit entfernten Inselkirche bei der Weihnachtsmesse sitzt...
Man hat das Gefühl, das er von dem Gedanken beherrscht war: So lange ich schreibe, lebe ich...

 Frage 7:

Damit sind wir bei Ihrer Zusammenarbeit. Wie finden Sie Ihre Themen?

Dehe (überlegt):
Es sind Themen, die sozusagen  latent in uns heranreifen, die uns persönlich stark geprägt haben. Dann braucht es gewissermaßen nur einen Auslöser...

Engstler:
Es gab auch schon Versuche, die nicht zum Ziel führten und die wir deshalb nicht weiter verfolgt haben...

 Zwischenfrage:
Ist es nicht frustrierend, wenn man schon viel Arbeit in ein Projekt investiert hat und es dann aufgibt?

Dehe:
Nein, jedenfalls nicht, wenn man sich bereits für ein neues Thema begeistert...

 Frage 8:

In "Nagars Nacht" erzählen Sie die Geschichte um den Prozess und die Hinrichtung Adolf Eichmanns in Israel. Dabei verschwimmen die Grenzen zwischen Wahrheit und Fiktion, zwischen Realität und innerer Reflexion der Protagonisten. Sie zeichnen dort ein beeindruckendes, um nicht zu sagen: Beängstigendes Bild des Dämonen, der den armen Nagar noch Jahrzehnte später heimsucht und der das biedere Bürokraten-Allerweltsgesicht Eichmanns trägt.
Konnten Sie sich bei Ihren Beschreibungen auf historisches Material stützen?

Engstler:
Oh ja, das sind zum Beispiel die umfangreichen Aufzeichnungen Eichmanns, die über 8000 Seiten umfassen und zahlreiche andere Dokumente.
Shalom Nagar ist eine reale Figur, der Mann lebt noch heute in Israel.  Vieles, was wir über Nagar sagen, ist authentisch.

 Zwischenfrage:
In Ihrem Buch schildert Moshe, der mit Ben und Nagar befreundet ist, seine eigene Geschichte.
Demnach heißt er eigentlich Adolf und ist  der Sohn des SS-Mannes Giselher Schneider, der ein enger Mitarbeiters Eichmanns war.  Als bekannt wurde, dass Schneider nach den Rassegesetzen der Nationalsozialisten als "Volljude" galt, hielt Eichmann seine schützende Hand über ihn und riet ihm, ins Ausland zu gehen.
Hat diese Geschichte einen realen Hintergrund?

Engstler:
Das ist eine sehr treffende Frage.
Ja, dieser Fall hat durchaus einen realen Hintergrund.

 Frage 9:

Welches Ihrer Bücher halten Sie für Ihr wichtigstes?

Dehe/Engstler (nach kurzem Zögern gemeinsam):
Nagars Nacht.

Frage 10:

Verraten Sie mir, ob Sie bereits ein neues Projekt haben? Wenn ja, worum geht es dabei?

Engstler:
Wir schreiben derzeit an einem neuen Roman.
Es geht dabei um das sog. "Voynich-Manuskript". Es ist das rätselhafteste Manuskript der Welt, das in der Beinecke-Library (New Haven) aufbewahrt wird.

Abbildung aus dem bislang rätselhaften Voynich-Manuskript
Das Manuskript  ist in einer bislang nicht identifizierten Sprache geschrieben. Sein Inhalt konnte bis heute nicht entschlüsselt werden.  Im Manuskript vorhandene Abbildungen erinnern an botanische, anatomische und astronomische Zusammenhänge.
Wir erzählen in unserem Buch die literarische Vorgeschichte des Manuskriptes, dessen Entstehung aufgrund von Untersuchungen  auf die Zeit des frühen 15. Jahrhunderts datiert wird.

Zwischenfrage:

Das klingt sehr spannend. Wann wird das Buch erscheinen?

Dehe:
Das Buch soll Mitte Oktober auf den Markt kommen.

 Frage 11:

Ich habe gelesen, dass Sie Mitglieder des PEN-Zentrums Deutschland sind.
Was ist das für eine Organisation und wie wird man dort Mitglied?

Engstler:
PEN ist die größte deutsche Schriftstellervereinigung und Interessenvertretung für Schriftsteller.
Es ist eine ehrenamtlich geführte Vereinigung, die sich auf die Fahnen geschrieben hat, weltweit für die Freiheit des Wortes einzutreten.
Um Mitglied zu werden, muss man von 2 Pen-Mitgliedern vorgeschlagen werden. Außerdem ist eine Mitgliedschaft nur möglich, wenn man bereits mindestens zwei verlagsfinanzierte Werke veröffentlicht hat.

Frage 12:

Wie funktioniert der Prozess ihrer schriftstellerischen Zusammenarbeit?

Dehe:
Die ersten Schritte (Ideensammlung, Titel, mögliche Handlungsverläufe etc.) entwickeln wir grundsätzlich gemeinsam, dann sitzen wir gemeinsam an einem Tisch.
Die weitere Kommunikation erfolgt, bedingt durch die unterschiedlichen Wohnorte, i.d.R. auf elektronischem Wege.
Aber wir machen fast alles doppelt (Recherche etc.). Die einzelnen Kapitel entwickeln sich dann in ständiger Zusammenarbeit.

Frage 13:

Es gibt aber doch Unterschiede zwischen Autoren, jeder hat seinen eigenen Stil. Wie schaffen Sie es, dass Ihre Bücher keine stilistischen Brüche aufweisen?

Dehe:
Das sind wir schon oft gefragt worden. Es wird Ihnen nicht gelingen, herauszufinden, welche Abschnitte von Achim oder von mir stammen.
Ansonsten: Diese Übereinstimmung zwischen uns zu erreichen, war ein schwieriger Prozess.
Ich möchte das mit drei Worten beschreiben: Duett und Duell.

Zwischenfrage:
Sind bei der Auswahl Ihrer Stoffe manchmal auch wirtschaftliche Überlegungen im Spiel?

Engstler:
Der wirtschaftliche Erfolg steht dabei nicht im Mittelpunkt. Wir wollen uns nicht dem sog. "Mainstream" unterwerfen!

Frage 14:

Nun eine persönliche Frage, wenn Sie gestatten: Was macht eine Autorin/ein Autor so in ihrer/seiner Freizeit? Kommt man als Autor auch zum Lesen? Was lesen Sie bevorzugt? Welche Bücher lesen Sie aktuell?

Dehe:
Reiten und Klavierspielen sind meine Interessen, denen ich aber momentan aus Zeitgründen nicht nachgehen kann. Ich lese im Moment das Buch "Der Käse und die Würmer" von Carlo Ginzburg.

Engstler:
Bis vor ein paar Jahren habe ich Fußball und klassische Gitarre gespielt.
Heute höre ich viel moderne klassische Musik.
Ich lese im Moment "Die ersten Suchmaschinen" von  Anton Tantner.

Frage 15:

Liebe Frau Dehe, lieber Herr Engstler, ich danke Ihnen für das angenehme und sehr aufschlussreiche Gespräch. Zum Schluss habe ich eine Frage in eigener Sache:
Würden Sie bitte meine beiden Exemplare von "Auflaufend Wasser" und "Nagars Nacht" signieren?

Dehe/Engstler gemeinsam:
Das machen wir gerne. Es war ein inspirierendes Gespräch und wir bedanken uns herzlich für Ihr Interesse!


Copyright für diesen Beitrag: TinSoldier
Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Verfassers!


Folgende Bücher sind bisher von Astrid Dehe und Achim Engstler erschienen:



Kafkas komische Seiten
324 Seiten
Steidl Verlag
DNB





Auflaufend Wasser
Novelle
Steidl Verlag
auch als Taschenbuch bei dtv
DNB


Nagars Nacht
Roman, 239 Seiten
Steidl Verlag
DNB




Kafkas dunkle Augen
Bernstein - Verlag
161 Seiten
DNB

















Kommentare:

  1. Es macht sehr viel Spaß diesen Beitrag zu lesen. Schön ist, dass dieser Blog dabei auch eine Rolle spielt. Franz Kafka ist mir leider immer noch ziemlich "suspekt", ich finde leider keinen richtigen Draht dazu. Das war auch mit "1913" so. Aber "Nagars Nacht" muss ich wohl unbedingt mal lesen, schon wegen des Themas Eichmann, welches ich selbst im Zusammenhang mit Hannah Arendt angesprochen habe.
    Novellen kommen mir selten in die Hand, aber "Auflaufend Wasser" wäre schon einmal sehr interessant. Rudi, da würde ich mich freuen, wenn du mir dieses mal zur Verfügung stellen würdest.

    Ein unmittelbares Autoreninterview: Das hat was. Wir haben also noch viel Potential.

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    1. Hallo Uwe, das Büchlein schicke ich dir gerne mal zu - schick mir doch noch mal deine Adresse. Auch Nagars Nacht kann ich dir ausleihen.
      Danke für den Kommentar. Falls ich es schaffe, im Herbst zur Frankfurter Buchmesse zu fahren, werde ich an dieser Stelle darüber ausführlich berichten!

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    2. Freut mich. Du bekommst ne Nachricht.

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