Samstag, 31. Januar 2015

Pellissier, Marie: Die tödliche Tugend der Madame Blandel



Die tödliche Tugend der Madame BlandelParis, Place des Vosges: Seit vielen Jahren wacht die Gardienne Lucie über das Wohl des Hauses Nr. 3 und seiner Bewohner. Als die Leiche der kaltherzigen Vanessa Blandel aus der Seine geborgen wird, befürchtet Lucie das Schlimmste. Denn sie hat in der Wohnung der Blandels Spuren verwischt - und Kommissar Legrand wird sie für die Täterin halten! Es steht Spitz auf Knopf. Lucie muss unbedingt vor der Polizei herausfinden, wer Vanessa auf dem Gewissen hat …




  • Taschenbuch: 336 Seiten
  • Verlag: Diana Verlag (12. Mai 2014)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3453357671
  • ISBN-13: 978-3453357679











MISS MARPLE AUF FRANZÖSISCH...



Seit mehr als vierzig Jahren sorgt Lucie in der Place des Vosges Nr. 3, Paris, als Hausmeisterin für Ordnung, verteilt Post, Pflaster und gute Ratschläge. Die Bewohner schätzen und lieben ihre Gardienne. Einzig Vanessa Blandel, die erst vor Kurzem die Wohnung ihrer Schwiegermutter übernommen hat, macht ihr das Leben schwer. Eines Tages entdeckt Lucie mit Entsetzen, dass das Schlafzimmer unordentlich hinterlassen wurde - und dabei ist Vanessas Ehemann auf Geschäftsreise, das weiß sie ganz genau! Lucie macht sich sofort daran, alle Spuren des Ehebruchs zu beseitigen. Kurz darauf wird Vanessa tot aus der Seine geborgen.
Lucie ahnt, dass sie in ihrer Ordnungsliebe diesmal zu weit gegangen ist. Wahrscheinlich hat sie wertvolle Spuren vernichtet, und die Polizei wird sie verdächtigen! Da steht auch schon Kommissar Legrand in der Tür und will von der Gardienne alles über die Blandels wissen. Ein ums andere Mal muss Lucie den Kommissar auf eine falsche Fährte locken, um mit ihren eigenen Nachforschungen dem Mörder nahe zu kommen - gefährlich nahe...


"So wie er war konnte sie den Raum auf keinen Fall lassen, auch wenn die Szenerie im Dämmerlich schon weniger hässlich wirkte. Lucie musste Ordnung schaffen! Bestimmt würde die äußere Wiederherstellung des ursprünglichen Zustandes eine heilsame Wirkung auf das Innenleben der Eheleute haben..." (S. 20)


Lucie ist die gute Seele des Hauses und nimmt ihre Aufgaben als Gardienne seit über vierzig Jahren sehr ernst. Neben den eigentlichen Pflichten erledigt sie immer wieder auch kleine Gefälligkeiten und macht sich damit auf liebenswerte Art nahezu unentbehrlich. Auch Vanessa Blandel nutzt die Dienstleistungen Lucies, doch zeigt sie sich ihr gegenüber anders als die anderen Mieter des Hauses immer wieder kritisch und undankbar. Dennoch bemüht sich Lucie unverdrossen weiterhin um einen positiven Kontakt, weshalb es ihr fast als selbstverständlich erscheint, die eindeutigen Spuren im Schlafzimmer zu vernichten, um den Ehefrieden der Blandels nicht zu gefährden.
Doch hat sie sich nicht träumen lassen, welche Auswirkungen ihr Ordnungsssinn und Harmoniebedürfnis haben würde. Als Vanessa tot aus der Seine gefischt wird, hat Lucie große Sorge, durch die Vernichtung möglicher Beweise selbst ins Visier der polizeilichen Ermittlungen zu geraten. Da bleibt ihr kaum etwas anderes übrig, als sich selbst auf die Jagd nach dem Mörder zu begeben. Ein Unterfangen, das ihr ganzes bisheriges Leben auf den Kopf stellt....

Lucie ist eigentlich in einem Alter, in dem sie sich mit ihrem Ehemann Antonio in den wohlverdienten Ruhestand begeben könnte. Doch sie denkt gar nicht daran - schließlich ist das Pariser Haus nicht nur ihr Arbeitsplatz, sondern ihr Zuhause seit über vierzig Jahren. Allerdings bringen die Ermittlungen in dem Mordfall und die neuen Erkenntnisse über Menschen, die sie zu kennen glaubte, nun alles durcheinander, und zuweilen taucht in Lucie doch der Gedanke auf, ob sie dem allen wirklich noch gewachsen ist.
Eine liebenswürdige Ermittlerin à la Miss Marple begegnet dem Leser in diesem Krimi, und natürlich darf hier auch nicht das Pendent des eher trotteligen Polizisten fehlen, dem die auf eigene Faust forschende Lucie haushoch überlegen ist. Manchmal etwas überzogen die Rolle des im Dunkeln tappenden und stets die falschen Schlüsse ziehenden Polizisten, besticht der Krimi dennoch durch seine warmherzige Art. Das Pariser Flair, das einen hier auf Schritt und Tritt begleitet, trägt ein Übriges zur Wohlfühlatmosphäre bei, und ein flüssiger Schreibstil sorgt überdies für unterhaltsame Lesestunden...

Ein warmherziger Krimi mit Pariser Flair, unterhaltsam und intelligent - richtig schön für einen sonnigen Nachmittag auf dem Sofa...


© Parden






Quelle
Marie Pellissier ist mein Künstlername. Meine jüngste Kindheit habe ich in Brüssel verbracht wo ich einen französischsprachigen Kindergarten besuchte. Ich liebte die großen Parks (vor allem im Herbst, wo wir durch die Blätterberge tobten) war fasziniert von Puppen - in Brüsseler Spitze gehüllt - Stilmöbeln, alten Damen und den Dackeln, die sie spazieren führten, Eclairs, Gauffres, Kroketten und bunt blinkendem Christbaumschmuck. In besonderer Erinnerung sind mir noch die Aufführungen im Kindergarten auf einer echten Bühne in einem echten Theatersaal. Kurz: Brüssel war alles, was das Leben lebenswert zu machen schien. Mit Anfang zwanzig war ich dann zum ersten Mal alleine in Paris - und fühlte mich dort sofort zu Hause. Was dem kleinen Mädchen Brüssel gewesen war, schien die junge Frau in Paris zu finden. Mit einem wichtigen beruflichen Auftrag durfte ich zwei Wochen lang in einem der hohen Bürotürme in La Défense, dem futuristischen Büroviertel arbeiten. Welch ein Abenteuer! Und ein russischer Kollege - vollendeter Kavalier - zeigte mir am Wochenende alles, was man von der Stadt gesehen haben musste, um sich mit Haut und Haar in sie zu verlieben. „Il faut profiter du Bonheur de la vie!“ Von da an musste ich jedes Jahr dort sein. Zuerst waren es Eifelturm, Trocadero, das Viertel um die Oper und die Grands Boulevards, das Musée Grevin und der Montmartre, das Quartier Latin und der Jardin du Luxembourg, die mich interessierten. Daneben Meeresfrüchte und Crème brulée. Als der Traum vom Leben in Paris endlich wahr wurde, musste ich erkennen, dass die meisten Wohnungen laut und dunkel waren. Und so machte ich mir zur Bedingung: Entweder eine Wohnung am Place des Vosges, eine mit Blick auf den Eifelturm, oder gar keine. Die Maklerin hielt mich vermutlich für überspannt und sagte, ein Lottogewinn wäre wahrscheinlicher. Doch dann, drei Tage später, konnte sie das völlig unmögliche möglich machen: eine Dachgeschosswohnung am Place des Vosges, Hausnummer 3. Hätte ich mein Herz nicht schon an die Stadt verloren gehabt, so hätte ich es noch an diese Wohnung verschenken können und an die Gardienne, die wir sozusagen mit mieteten. Sie heisst zwar nicht Lucie, ist auch keine 60 Jahre alt, keine religiöse Katholikin, aber auch sie hat ein Herz aus Gold und ist die Seele des Hauses. Wenn ich meine Lucie-Krimis schreibe, so tue ich das aus zwei tiefen Gefühlen heraus: aus Liebe zu dieser Stadt, zu diesem Gebäude und zu meiner Gardienne. Und aus tiefstem Heimweh. Verbringen wir also etwas Zeit gemeinsam in Paris? Und wenn es nur zwischen zwei Buchdeckeln ist...

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