Montag, 15. Dezember 2014

Goldammer, Frank: Nebelgeflüster

Laubegast - altes Fischerdorf bei Dresden, heute gehört der schöne Ortsteil zur Stadt. Neben Striesen ist Laubegast eine der schönsten Wohngegenden in Dresden. Wenn da nicht die Elbe in unmittelbarer Nähe wäre. Und Judys Freund hat dieses alte Haus gekauft. Schwanger ist sie auch noch. Und nun wohnt sie in dieser Bauruine. Sören ist nicht da. Kein Geld um die Handwerker zu bezahlen. Ein Zimmermann, der hilft. Ein alter Freund, der sie immer noch liebt.

"...und immer, wenn über dem Fluss der Nebel aufsteigt, treten seltsame Veränderungen in Judys Leben: Fremde Leute starren sie an, eine unbekannte Frau taucht plötzlich in ihrer Nähe auf und immer wieder macht sich ein übler Gestank breit, den anscheinend nur sie wahrnehmen kann. Und rascheln die Blätter der alten Weide hinter dem Haus nicht sogar manchmal, wenn gar kein Wind weht?
Judy gerät immer tiefer in eine Welt längst vergangener Zeiten und muss schließlich feststellen, dass Menschen nicht immer die sind, die sie vorgeben zu sein…" (Klappentext)



Quelle: manfredowitsch bei fotocommunty.de **

* * *



Wer diesen Blog verfolgt und gelegentlich liest, was ich so darin verzapfe, der weiß, dass ich den Dresdner in mir natürlich nicht verleugnen kann und natürlich auch nicht will. Seit einigen Monaten schaue ich bewusst nach Dresden-Romanen. Auf der herbstlichen Büchermesse SCHRIFTGUT wurde mir dann der Frank Goldammer empfohlen. Selbstverständlich, dass ich seinen Stand nicht ohne Mitbringels verließ.* Ich nötigte den erfolgreichen ehemaligen Maler und Lackierer ein Rezensionsexemplar ab und zog mit NEBELGEFLÜSTER und REVIERKAMPF von dannen.



Quelle: KAROD bei fotocommunity.de **


Eigentlich bin ich nicht so sehr Fan von mystisch-schaurigen Geschichten, aber wenn diese am Elbestrand spielen, dann schau ich schon mal rein. Und was soll ich sagen, ich war begeistert. Frank Goldammer schreibt locker und fluffig, die Landschaften steigen vor einem im Geiste auf, man muss sie nicht kennen:

"Es war still am Fluss. Die Menschen waren verschwunden. Seit Tagen stand das Wasser so hoch wie nie, zumindest seit die Menschen Aufzeichnungen darüber machten. Der Morgen brach an, im Osten entstand ein heller Streif am Himmel. Der erste fahle Lichtschein verwandelte das Wasser in ein Meer aus Silber. Man konnte die Kurve nicht mehr erkennen, welche die Elbe sonst beschrieb. An dieser Stelle war sie jetzt dreihundert Meter breit und überschwemmte alles, was niedriger als sieben Meter über ihrem sonstigen Pegel lag. Es ging kein Wind und es war warm. Wüsste man nicht, wie es sonst hier aussah, so glaubte man, es müsse alles so sein: ein ruhiger See, an dem sich im Sommer die Menschen tummelten. Nur eines störte diesen Eindruck: Mitten aus dem Wasser ragten der Wipfel einer knorrigen Weide und das Dach eines alten Hauses." (Seite 1 - Der Beginn)


Quelle: ralf mann bei fotocommunity.de (2014) **


Dieses Haus nun wird der Dreh- und Angelpunkt der Geschichte, die immer märchenhafter werden wird, rätselhafter, gruseliger, grässliches Erbe, das Judy antreten soll. Die Personen, mit denen es Judy zu tun bekommt, sind charakterlich äußerst unterschiedlich. Der Ehemann, abhängig von seiner alles dominierenden Mutter. Eltern, die ihre Tochter kaum in ihren Sorgen unterstützen, eine Freundin aus Schulzeiten mit Hang zu den Männern ihrer Freundin. Hinzukommen die Gestalten, die aus der Geschichte ein Märchen machen. Ja, ein Märchen und insofern steht ja schon auf der Webseite des Autors folgerichtig: "Und vielleicht auch eine mögliche Antwort auf die Frage nach dem Ursprung eines jeden Märchens."


Quelle: MUNKE bei fotocommunity.de (2009) **

* * *

Ungefähr bis zum Ende des zweiten Drittels hielt, dass muss ich leider auch sagen, meine Lesefreude vollumfänglich an. Danach, auf das Ende zu lesend, wurde es mir zu fast zu viel. Eine Ahnengeschichte, die bis ins Mittelalter reicht ist ja sicherlich sehr interessant aber mir wurde es zu bunt. Aus einer mystischen und rätselhaften Geschichte wurde nun ein Horrorszenarium, der ganze Garten umgegraben und Knochen, Knochen, Knochen...

Ich will nicht zu viel verraten und ich kann mir auch vorstellen, dass gerade dies manchen Leser, manche Leserin aufstacheln könnte, diese Elbtal-Geschichte zu lesen - nein, Elben kommen nicht drin vor.

Liest man die Inhaltsbeschreibungen auf Frank Goldammers Webseite, dann merkt man, dass er sich diesem Genre verschrieben hat, er schreibt nun Kriminalromane (der KHK TAUNER aus dem REVIERKAMPF ermittelt auch hier, hat aber keine tragende Rolle). Diese Romane werde ich mir sicher nach und nach gönnen und vielleicht  sind ja BLÄTTERRAUSCH und VERGISSMEINNICHT dann doch später Grund für einen neuen Ausflug in die mystisch - "elbische" Welt des Frank Goldammer.



Quelle: matthias vom blauen wunder bei fotocommunity.de


* * *

Quelle: Gmeiner-Verlag
Frank GOLDAMMER, ist eigentlich Maler und Lackierer. Solche Leute schreiben eher selten Bücher. Die Verlagsbeschreibung behauptet, dass er aus Faulheit kein Abitur gemacht hat. Trotzdem hat er den Meisterbrief in der Tasche. Mit zwei verschiedenen Frauen, mit denen er nacheinander verheiratet war, hat drei Kinder. 
Aber am meisten lässt er in diesem Interview auf seinem Blog gucken.
► Frank Goldammer in der DNB 
► Selbstverlag / Frank Goldammer 2007 / ISBN:   
     978-3-00-022502-4 / 362 S.


© KaratekaDD

* siehe REVIERKAMPF von Frank Goldammer
** Die Fotos stammen aus der fotocommunity.de 

1 Kommentar:

  1. Da hast Du Dich aber mal in ein ganz fremdes Genre-Land vorgewagt... :)

    AntwortenLöschen