Sonntag, 3. August 2014

Geyer, Oliver: Sommerhaus, jetzt!


13 Freunde, der Traum vom Zweitwohnsitz auf dem Land und jede Menge Chaos. »Wir kaufen uns ein Haus am See«, beschließen die Berliner Freunde. Denn selbst der überzeugteste Städter braucht mal eine Zuflucht im Grünen – und zusammen lässt sich dieser Luxus sogar finanzieren. Soweit der geniale Plan, der 13 Kleinkredite später seine Tücken aufweist: Linke Hände müssen es mit geplatzten Abwasserrohren aufnehmen, gut gemeinte Initiativen enden mit einem rosafarbenen Hausanstrich. 13 Geschmäcker kollidieren. Es regnet, und die Kinder heulen. Als dann auch noch die Scheune umzukippen droht, wird das Projekt zu einer handfesten Belastungsprobe. Aber wenn man wochentags davon träumen darf, an einem lauen Sommerabend vom eigenen Steg in den See zu springen, klingt es doch wieder wie eine gute Idee...







  • Broschiert: 288 Seiten
  • Verlag: Blanvalet Verlag (19. März 2012)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3764504277
  • ISBN-13: 978-3764504274




AKADEMISCHER HUMOR...





 
Etwas naiv vielleicht setzen 13 Großstädter ihren Plan vom gemeinsamen Sommerhaus in die Realität um. Nicht mieten sondern kaufen, lautet die Devise, und über einen gemeinsamen Kredit führt der Weg geradewegs in die Uckermark - zu einem alten Haus auf einem riesigen Grundstück am See.
Groß sind die Träume, die mit dem Erwerb des Sommerhäuschens verbunden sind. Einen Gegenpol zum Großstadtleben erhoffen sich die 13 frischgebackenen Hausbesitzer, Energietanken und eine Zuflucht im Grünen. Doch als gelernte Akademiker, die sie in der Mehrzahl sind, werden sie schnell von der Realität eingeholt und vor teilweise unüberwindbar scheinende Hürden gestellt.


Dem Klappentext zufolge habe ich mich auf ein äußerst amüsantes Buch gefreut, das die Tücken des Erwerbs eines mit Altlasten behafteten Hauses vor Augen führt und entsprechend der Devise: "Wer den Schaden hat, spottet jeder Beschreibung" (oder so ähnlich) den Leser aufs Vortrefflichste zu unterhalten weiß.
Doch leider sah ich mich in meiner Erwartung größtenteils enttäuscht. Der Kauf des Hauses und die Gemeinschaft der 13 beruht lt. Autor auf einer wahren Begebenheit, und dementsprechend hat er nicht nur die vermeintlich witzigen Aspekte des Renovierungschaos geschildert. Diese tauchten natürlich auch auf und sorgten durchaus auch für den ein oder anderen Schmunzler, doch nahmen die Reibereien und Findungsprozesse innerhalb der Gruppe ebenfalls einen recht breiten Raum ein. Bei der Anhäufung von Problemen und einer keineswegs homogenen Gruppe können Unstimmigkeiten natürlich nicht ausbleiben, und so musste - meist per Kommunikation über E-Mail - ein möglichst haltbarer Konsens gefunden werden "zwischen Villa Kunterbunt und autoritärem Preußen", zwischen kapitalistischen und ökologischen Ansätzen sowie zwischen Eigeninteresse und dem der anderen.


Diese Versuche einer Standortbestimmung fand ich teilweise recht langweilig, und manchesmal ertappte ich mich bei dem Gedanken: "ideologisch-politisches Geschwafel" - jedenfalls für meinen Geschmack ein wenig zu viel.
Was mich jedoch noch deutlich mehr störte, war das Bemühen des Autors, betont intellektuell-witzig zu sein. Als Journalist mit einem Studium der Publizistik, Psychologie und Politologie ist man vielleicht vermeintlich verpflichtet zu beweisen, wie sprachgewandt man ist, doch das Spiel mit Worten kann durchaus auch nach hinten losgehen. So fand ich die teilweise sehr geschraubten und manchmal fast gewaltsam gewollt komischen Ausdrücke und Neologismen zuweilen sehr anstrengend. "Wochenendkollektiv als Breitband-Anti-Idiotikum...", "toskaneskes Sommerfrische-Häuschen", amalgamisiert", "enthusiasmiert", "durchbetankt mit Vorfreude", "erratisch", "Elevator Pitch", jemandem liegt etwas am Bypass... - uff!


Einen Ausdruck allerdings fand ich wirklich witzig, und diesen werde ich mir auch merken, denn es gibt in meinem privaten Umfeld durchaus auch Menschen, zu denen er passt, der "appleapptische Anfall" - wer kennt heutzutage nicht diejenigen, die bei jeder Gelegenheit ihr I-Phone zücken und gleich den passenden App parat haben?
Insgesamt ein Buch, das phasenweise durchaus witzig ist, doch alles in allem für meinen Geschmack zu intellektuell daherkommt.


 © Parden








Oliver Geyer wurde 1973 in Bielefeld geboren. In Münster, Berlin und London studierte er Publizistik, Psychologie und Politologie. Nach einigen Jahren als Texter in der Werbebranche wechselte er in den Journalismus und schreibt seither als freier Autor Reportagen für verschiedene Magazine und Zeitungen. Daneben gehört er zur Redaktion des unabhängigen Gesellschaftsmagazins DUMMY.
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