Samstag, 8. März 2014

Twain, Mark: Die Tagebücher von Adam und Eva

Die ersten Tagebücher der Menschheitsgeschichte
meine Rezension auch unter Lovelybooks und Literatur-Community veröffentlicht.

Woran denkt man als halbwegs versierter Leser, wenn man den Namen MARK TWAIN hört? Also ich denke da an Tom Sawyer und Huckleberry Finn. Nicht nur weil im Lesebuch der fünften Klasse die Geschichte wie Tom einen Zaun streichen sollte abgedruckt war, sondern weil ich die dann auch wirklich gelesen habe. An was denkt man noch? Vielleicht an EIN YANKEE AN KÖNIG ARTUS´ HOF und an DER PRINZ UND DER BETTELKNABE.

Aber man muss wohl schon viel Zeit zum Stöbern aufbringen um das nun folgend kurz vorgestellte Büchlein zu finden, es ist nämlich genau das, ein Büchlein. Außerdem steht es vermutlich nicht in dem Regal, in welches man MARK TWAIN verorten würde, nämlich zur Abenteuer- und Jugendliteratur. Aber da gibt es ja noch BINEA & Mr. RAIL, die Literatur ZWEI, oder ► LITERATURTWO. Das ist ein Blog, in dem es sich ebenfalls zu stöbern lohnt und die stellten am 03. März ebendieses Büchlein mit dem Titel DIE TAGEBÜCHER VON ADAM UND EVA vor. Wenn nun ausgerechnet ich mir so etwas vornehme, dann liegt das an zwei Dingen: Einmal kann man der Dresdnerin und dem Münchner der LITERATWO durchaus vertrauen, was vorgestellte Bücher betrifft und zum zweiten reizt natürlich MARK TWAIN, wenn er sich solcher Themen annimmt.


Zum Büchlein, welches noch nicht einmal 100 Seiten aufweist. Wenn es kleingedruckt wäre, dann würde ja immer noch viel Text reinpassen, aber es wurde auch mit den „paradiesischen“ Bildern eines Henri Rosseau versehen. Ergo, viel zu lesen hat man da nicht. Aber es macht Spaß.

Wenn ich jetzt mal davon ausgehe, dass der geneigte Leser unseres Blogs auch den obigen Link zu LITERATWO angeklickt hat, oder dies noch tun möchte, dann nehme ich zur kurzen Vorstellung mal nicht den Adam, sondern die Eva und wage zu zitieren:

„Sterne sind auch hübsch. Ich würde mir gern ein paar davon ins Haar stecken. Aber ich glaube, das geht nicht. Es überrascht einen, wie weit weg sie sind, denn es hat gar nicht den Anschein. 
Als sie zum ersten Mal erschienen, gestern Nacht, versuchte ich, einige mit dem Stock herunter zu holen, aber er war zu meinem Erstaunen nicht lang genug; dann versuchte ich es mit Lehmklumpen, bis ich völlig erschöpft war, aber ich traf keinen einzigen. Das liegt sicherlich daran, dass ich Linkshänderin bin und nicht gut werden kann. Selbst wenn ich auf den einen zielte, den ich gar nicht wollte, traf ich den anderen nicht…“[1]

Ach siehe da. Sie kann nicht gut werfen. Das was sie auf ihren ersten Seiten zusammen geplappert hat, geht sowieso nicht auf eine Kuhhaut. Dann trifft sie auf ein Reptil oder so. Das ist vermutlich ein Mann, der von ihr so gar nichts wissen will. (Das es, das Geschöpf, ihm gehörig auf die Nerven geht, kann man dem anderen Tagebuchteil entnehmen.)

Diverse bekannte Metaphern sind uralt. Mindestens 7000 Jahre, denn es soll ja Leute geben, die immer noch meinen, die Erde wäre da entstanden. Sorry, die Erde wäre zu dieser Zeit geschaffen wurden.

„Zuerst fürchtete ich mich davor und war immer bereit wegzulaufen, sooft es sich umdrehte, denn ich glaubte, es wollte mich jagen. Allmählich wurde mir klar, dass es nur versuchte, mir zu entkommen. So legte ich meine Scheu ab und verfolgte es, stundenlang, mit einem gewissen Abstand. Es wurde ganz nervös und unglücklich. Am Ende war es ziemlich verstört und kletterte auf einen Baum… Heute genau das Gleiche. Ich habe es wieder auf die Palme getrieben.[2]

Aha, daher kommt also dieser Spruch. Einen weiteren kleinen Spoiler kann ich mir nicht verkneifen:

„Als ich feststellte, dass es [Adam] reden kann, gewann ich neues Interesse an ihm, denn ich rede so gern. Ich rede den ganzen Tag und sogar im Schlaf – ich denke schon, dass ich sehr anregend bin, doch wenn ich mit jemand anderem reden könnte, könnte ich doppelt so interessant sein und würde, falls gewünscht, nie mehr mit dem Reden aufhören.“[3]

Und so geht es weiter. Der Tod kommt in die Welt und plötzlich fressen die Tiere sich auf. Vorher fraßen die Tiere Erdbeeren. Woher das kommt kann sich wohl jeder denken, es kommt vom Apfel. Auch bringt die Eva plötzlich ihnen beiden ähnliche Geschöpfe mit, die einer enormen Betreuung bedürfen und viel kleiner sind, keine Zähne haben und nicht laufen können. Die ersten beiden heißen KAIN und ABEL. Später ist auch von Mädchen die Rede. Woher die alle kommen, erfahren wir nicht, wir wissen aber ja auch wie es geht.

Mit dem Apfel, das weiß jeder Mensch, ist das Paradies dem Menschen verschlossen. Es dauert aber auch nur knapp einhundert Seiten bis es geschrieben steht:


Inschrift auf Evas Grab 
WO IMMER SIE WAR, DA WAR EDEN 
Adam

* * *

 Es ist ein kurzweiliges Büchlein und der erfahrene Samuel Langhorne Clemens hält den Menschen seiner Zeit, und uns natürlich auch, den Spiegel vor, damit wir uns in ihm eingehend betrachten mögen. Es ist zwar kurz und lässt sich in einem Rutsch durchlesen, aber dies kann Mann & Frau immer wieder tun. Immer wieder werden wir ein paar neue Passagen finden, die uns zum Schmunzeln bringen werden.

»Mit leichter Feder wagt sich Twain in Untiefen des männlich-weiblichen Beziehungssumpfes und punktet dabei vor allem mit ironischer Schärfe, die manch Neueres zum Thema schlecht parkender Frauen und nicht zuhörender Männern in den Schatten stellt.« schreibt die Stuttgarter Nachrichten am 20.01.2007 [4].

Humor und Satire gehörten immer schon zu Mark Twain, der als Vertreter des amerikanischen Realismus gilt und dessen Erzählungen ihn wegen des genau beobachteten sozialen Verhaltens und wegen des innewohnenden Lokalkolorits berühmt machten. Ernest Hemingway sagte über ihn:

„All of American literature comes from one book by Mark Twain called Huckleberry Finn … There was nothing before. There has been nothing as good since.“

„Die gesamte amerikanische Literatur stammt von einem Buch von Mark Twain namens Huckleberry Finn, ab. Vorher gab es nichts. Seitdem gab es nichts, was dem gleichkommt.“ [5]


Nun, also nicht von diesem hier, aber es reiht sich hervorragend in das Werk des vielleicht berühmtesten amerikanischen Autors ein.

 * * *
Selbstporträt (wiki)
 Nicht vergessen wollen wir den "Illustrator", den Maler ►Henri Rosseau hinzuweisen, der von 1844 bis 1910 lebte und ein Vertreter des ► Postimpressionismus war und der als Wegbereiter des ► Surrealismus galt.[6] Der Maler war Autodidakt. Ob seine Kunst nun wirklich ►Naive Kunst ist (wiki), wage ich nicht zu beurteilen. Jedenfalls passen die Bilder hervorragend in das Buch, sollen sie doch die Welt des Garten Edens darstellen. Und da war alles sehr schön, glaubt man Adam & Eva.
Die bunten Farben, allerlei Tiere, Licht und Schatten illustrieren die Geschichte sehr gut. Durch das Betrachten der Bilder liest man etwas langsamer. Irgendwie beruhigen diese Bilder, was der Geschichte zu gute kommt.
DER TRAUM
1910. Öl auf Leinwand, 114 x 162,5 cm, 
Kunstmuseum Basel

hier: wikipedia









Weil ich mit LITERATWO angefangen habe, dann benutze ich jetzt mal einen Ausdruck von Binea oder Mr. Rail:  Die Geschichte wird uns buchige Stunden bescheren. Vielleicht nur eine. Aber die wird uns in Erinnerung bleiben.
 
* * *
Quelle
Mark Twain, mit bürgerlichen Namen Samuel Langhorne Clemens wurde am 30.11.1835 in Florida, Missouri geboren. Er kritisierte den sogenannten American Way of Life, flüchtete vor dem Sezessionskrieg in den Westen und hatte großen literarischen Erfolg mit der Biografie des Generals und späteren Präsidenten Ulysses „Sam“ Grant. Er arbeitete auf einem Mississippi – Dampfer, war Mitglied einer Freimauerloge und zeitweise Goldgräber. Nach seiner Heirat mit Olivia Langdon, mit der er vier Kinder hatte, wohnte er in Hartfort, Connecticat, wo ihn Harriet Beecher Stowe (Uncle Toms Cabin) in seiner Abneigung gegenüber der Sklavenhaltung bestärkte. Hier schrieb er den Tom Sayer und den Huckleberry Fin. Mark Twain starb am 21. April 1910 in Redding, Connecticut.


DNB / HERDER Verlag / Freiburg i. Breisgau  2007 / ISBN: 978-3-451-30947-2 / 95 Seiten
► Mark Twain in der DNB

© KaratekaDD


[1] Siehe MARK TWAIN: Die Tagebücher….; Seite 42 
[2] Siehe Ebenda, Seite 46 
[3] Siehe Ebenda, Seite 48 
[6] Davon hat KaratekaDD nicht die geringste Ahnung

Kommentare:

  1. Mein liebstes Werk von Twain. Der Humor ist zeitlos.

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  2. Lieber Uwe, ebenso eine wundervolle Rezi und das du die Eva vordergründig zitierst, ist total klasse. Ich liebe das Buch so sehr und bin mehr als froh, es gefunden zu haben. Ein Schatz!

    Auch ganz lieben Dank für die Erwähnungen, überhaupt deine Worte über uns! Wow.

    Buchige Grüße von den Literatwos :-)

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  3. Die Bilder sind so schön und die Rezension so reizvoll geschrieben, dass man am liebsten gleich losstürmen möchte, um sich das Buch zuzulegen...

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