Dienstag, 18. März 2014

LWH: Der Steinknabe

Indianermärchen
aus der Feder von ► Liselotte Welskopf-Henrich

DER STEINKNABE wurde freundlicherweise vom ► Eulenspiegel-Kinderbuchverlag zur Verfügung gestellt.

Natürlich waren es die Haupthelden, die den achtjährigen heutigen Blogautoren vor Jahrzehnten in den ► BÄRNSÖHNEN begeisterten. Harka Steinhart Nachtauge… Wer meine bisherigen Beiträge zu Liselotte Welskopf-Henrich und zu  DIE SÖHNE DER GROSSEN BÄRIN gelesen hat, der weiß ja Bescheid.
Etwas im Hintergrund des Tipis wirkt UNTSCHIDA, das Großmütterchen. Großmütter überall auf der Welt erzählen den Kindern Geschichten und Märchen. UNTSCHIDA erzählt den Kindern HARKA, UINONAH und HARPSTENNAH die Geschichte vom Steinknaben. Die märchenerzählende Großmutter kommt natürlich auch in dem weiteren großen Indianerroman vor, dem fünfbändigen ► BLUT DES ADLERS. Auch in diesem Bänden wird das Märchen erwähnt, erzählt die Großmutter es den Kinder vorzugweise im großen Tipi der Ahnen der Familie.

„In uralter Zeit lebte in Amerika das Indianermädchen Hiladih. Hiladih ist ein schöner Name, er bedeutet ‚reine Quelle‘. Hiladih wohnte mit ihren zehn Brüdern in einem tiefen Wald. Des Morgens früh, wenn die Sonne aufging, badete Hiladih im klaren Bach, und die Drossel sang ein Lied dazu. Auf der Wiese am Bach stand das Mädchen und flocht ihr schwarzes Haar in zwei lange Zöpfe.“[1]

So beginnt das Märchen in dem schmalen, bunt bebilderten Kinderbuch des Eulenspiegel-Kinderbuchverlages. Eines Tages sind die zehn Brüder des Mädchens verschwunden. Hiladih sucht sie und findet schon ziemlich verzagt einen schönen bunten Kiesel am Bachufer. Diesen nimmt sie mit, drückt ihn an ihr Herz und so wurde aus ihm „Steinknabe“. Steinknabe findet als er älter wird auch die zehn Brüder wieder. Nun stellt der Bursche fest, dass er unverwundbar ist und so wird die Jagd sein ein und alles. 

„Der Wolf konnte ihn nicht beißen. Mato, der Bär, hatte zwar starke Tatzen mit großen Krallen und vermochte einen Mann niederzuschlagen, aber dem Steinknaben konnte er nichts anhaben. Wenn der Büffel Tatanka den Steinknaben auf die Hörner nahm und durch die Luft auf den Boden warf, so lachte der Steinknabe nur und stand wieder auf. Steinknabe wurde immer übermütiger, weil kein Tier ihn besiegen konnte. Er tötete nicht nur die Tiere, deren Fleisch er mit seiner Mutter und seinen Onkeln zum Essen brauchte. Er tötete alle Tiere, die er im Wald und auf den Wiesen fand.“[2]

Doch die Tiere, die ja nach dem Glauben der Indianer auch eine Seele haben, verbünden sich gegen den unerbittlichen Jäger, der am Ende das wird was er ist: Ein STEINKNABE.

* * *

Liselotte Welskopf-Henrich hat diese Geschichte bereits 1952 veröffentlicht, bzw. geschrieben. Sie ist symptomatisch für das von der Autorin vermittelte Indianerbild und spiegelt deren Haltung zur Natur und den Tieren wieder. Es ist bezeichnend, dass nicht nur sie selbst, sondern viele andere Autoren davon schreiben, dass die Prärieindianer nur die Menge z.B. an Büffeln jagten, die sie benötigten.
So schreibt John Okute Sica[3] in „Das Wunder vom Little Bighorn“:

„Die Sioux betrachten den Büffel als heiliges Tier. Bei der Jagd beten sie, sie danken dem Großen Geheimnis für die Jagdbeute. Außer dem Blut und dem Mageninhalt wurde nichts weggeworfen. Jede Unze Öl wurde aus den Knochen geschmolzen, und sämtliche Innereien wurden als Nahrung oder für andere Zwecke verwendet. Ein Sioux tötete einen Büffel nur dann, wenn er oder seine Stammesgenossen ihn benötigten.“[4]

Die Althistorikerin und Professorin an der Humboldt – Universität hat sich [5] wissenschaftlich mit der Geschichte der „Alten Griechen“ beschäftigt. Aber es blieb auch Zeit für Kindergeschichten. Rudolf Welskopf erzählte im ► Interview, dass sich seine Mutter für ihn Märchen ausdachte und sich sich beide Geschichten zusammen fantasierten.

* * *

Wenn man sich mit der Antike und vor allem mit der Polis des alten Griechenlandes beschäftigt, kommt man an Fabeln zum Beispiel des ► Äsop nicht vorbei. Auch in den Märchen der Völker Europas wie auch vieler anderer Völker sind es die Tiere, die eine Lösung herbeiführen müssen, eine Lösung, die den Menschen nicht unbedingt gefällt. Dies ist auch in dieser Geschichte so.
Die Geschichte wurde in vielen Auflagen und wie die BÄRENSÖHNE in den osteuropäischen Ländern verlegt.
Der schmale Band ist reich bebildert und hat 36 Seiten. Die Geschichte eignet sich hervorragend zum Vorlesen auch für jüngere Kinder. Die Illustrationen stammen von Dieter Müller, die viele Kinderbücher illustrierte.


DNB / Eulenspiegel Kinderbuchverlag / Berlin 2011 / ISBN:  978-3-359-02337-1 / 36 Seiten
► LWH in der DNB
► Dieter Müller in der DNB

 © KaratekaDD


[1] LWH: Der Steinknabe, Seite 6 
[2] Ebenda, Seite 14 
[3] Der Autor wurde 1890 geboren und fing früh an, die Geschichten der Lakota aufzuschreiben, der er sehr gut Englisch in einer sogenannten Industrial School gelernt hatte. 
[4] Okute Sica, John: Das Wunder vom Little Bighorn, Palisander, Chemnitz 2009, Seite 189 f 

Kommentare:

  1. Ein außergewöhnliches Kinderbuch und eine sehr liebevoll geschriebene Rezension!

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  2. Rudis Einschätzung schließe ich mich hiermit an. Man kann merken, wie sehr Du diesen Büchern verbunden bist... ☺

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