Montag, 10. Februar 2014

C.S.Forester: Horatio Hornblower

Die Reihe um die Karriere des fiktiven britischen Seehelden Horatio Hornblower von C.S.Forester zählt zu den Klassikern der maritimen Abenteuerliteratur


Eine Rezension von TinSoldier


Filmplakat aus den 1950´iger Jahren
mit Gregory Peck in der Titerolle als
Horatio Hornblower
Cecil Scott Forester
Hier nun also schon wieder ein Klassiker vergangener Zeiten, der vielen (zumindest den Älteren unter uns) u.a. durch die wunderbare Verfilmung aus dem Jahre 1951 mit dem Filmtitel Des Königs Admiral (Captain Horatio Hornblower R.N.) – Regie: Raoul Walsh (mit Gregory Peck und Virginia Mayo) bekannt sein dürfte. Die Romanvorlagen für den Film stammen aus der Feder von C.S. Forester und sind wahre Kleinode der Abenteuerliteratur.

Ich weiß nicht, ob ich voreingenommen bin, aber ich glaube, dass diese besondere Art von Abenteuerliteratur heute gar nicht mehr geschrieben wird. Das Gleiche gilt übrigens auch für das Genre der Abenteuerfilme, die ja offenbar von den sog. "Actionfilmen" abgelöst wurden: 
Heutzutage wird mir allzu oft fehlende schriftstellerische Qualität oder auch mangelnde schauspielerische Leistung durch Brutalität, durch Sex und vordergründige Effekthascherei oder einfach durch den exzessiven Einsatz von Pyrotechnik und "Special-Effects" ersetzt. 
Der Effekt zählt heute offenbar mehr als der Inhalt und in manchem Film ist der Munitionsverbrauch wichtiger als der Dialog. Ausnahmen bestätigen hierbei leider nur allzu oft die Regel.
Eine Liedzeile bei Reinhard Mey heißt:  "Da lob ich mir ein Stück Musik von Hand gemacht...". Wie wahr! 
Leider unterliegen Literatur und Filmkunst offenbar den gleichen Mechanismen wie das Musikschaffen.
Individualität und Originalität weichen dem Zwang, immer spektakulärer sein zu müssen, auch dann, wenn das Ergebnis noch so unglaubwürdig ist! 
Die heutige Helden schlagen alles bisher Dagewesene: Sie treffen jedes Ziel und meistern jede Situation. Mission Impossible ist Normalität und ein heutiger Filmheld muss schon mindestens einer vom Schlage eines Ethan Hunt sein, der die Kronjuwelen selbst noch aus einem hundertfach High-Tech gesicherten Tresor holt , ohne dass es jemand mitbekommt und der erforderlichenfalls als "Ein-Mann-Armee" Gegner in Regimentsstärke ausschaltet, ohne selbst auch nur einen Kratzer abzubekommen, denn heutige Filmhelden sind unkaputtbar! Da ist man schon fast erleichtert, wenn der Held wenigstens nach getaner "Arbeit" ein schweißnasses Gesicht hat - wie ein Spaziergang aussehen darf das Ganze ja schließlich auch nicht. 
Mindestens aber muss ein heutiger Filmheld ein durchgeknallter Jack Sparrow sein, der aussieht und agiert wie ein bekiffter Transvestit und seine Gegner, wenn schon nicht mit der Faust, so aber wenigstens mit dem "Maul" besiegt, um bei einem Publikum, das süchtig nach dem nächsten Kick ist und das jedwede Form von  Anspruch als langweilig, altmodisch und anstrengend empfindet, anzukommen. 
Apropos Maul: Wen wundert´s in einer Zeit, in der Filmtitel wie Fack ju Göthe Kassenschlager sind und Hauptdarsteller, die ihren Film in öffentlichen Fernsehshows life präsentieren wollen, ihren mangelnden Respekt gegenüber dem Publikum demonstrieren, indem sie pausenlos ihr Mobiltelefon quetschen und twittern?

Nirgends wird es so deutlich, wie hier: 
Nämlich dass gesellschaftliche Werte nichts mehr gelten und dem Seichten, dem Niveaulosen und Oberflächlichen und ja, der Respektlosigkeit geopfert werden!
Und Umgangsformen zählen leider zu den Werten, die dabei als Erstes auf der Strecke bleiben!

Und überhaupt - hat sich mal jemand darüber Gedanken gemacht, dass die Knarren dieser Witwenmacher, pardon Filmhelden,  n i e m a l s  nachgeladen werden müssen? 
Tom Cruise würde für den Munitionsverbrauch bei seinen "Showdowns" in Mission Impossible "in echt" mindestens zwei oder drei große Munitionskisten mitschleppen müssen, um seinen Munitionsbedarf zu decken!
Aber egal Baby, "muss nur noch kurz die Welt retten und gleich danach bin ich wieder bei dir..." 
Wohin man auch blickt - überall Helden!
Da lobe ich mir den "ehrlichen" Vorderlader und den Degen eines Hornblower alias Gregory Peck. Beides ist so schön altmodisch und funktioniert ohne Tricks - 
wie ein ehrliches Stück Musik von Hand gemacht:

Das Fehlen der unwahrscheinlichsten Stunts und der spektakulärsten Effekte fällt dabei noch nicht mal auf, weil es hinter dem schauspielerischem Können und der großartigen Leinwandpräsenz der Protagonisten zurücktritt und zudem aufgrund einer guten Story, die kein unablässiges "BUM und  BÄNG" sowie literweise Filmblut benötigt, um zu fesseln oder gar logische und substantielle Defizite des Drehbuches zu kaschieren! 

Oh je, da habe ich mich wohl in Rage geschrieben!
Also genug der Kritik.


Die Aera der Segelschiffe kennzeichnet das goldene Zeitalter der Seefahrt und nichts heutiges ist vergleichbar mit dem majestätischen Anblick eines voll getakelten Segelschiffes





Sprechen (oder schreiben) wir lieber über die Geschichte des Kapitän Hornblower! 

C.S. Forester hat seinem Helden Horatio Hornblower insgesamt 11 Bände gewidmet und fühlte sich seiner Romanfigur sehr verbunden. Dies kann man auch daran bemerken, wie liebevoll er dessen Charakter ausgestaltet hat. 

Die Romane, die übrigens nicht in der Chronologie des Hornblower´schen Aufstiegs vom Fähnrich zur See bis zum Admiral verfasst wurden, schildern den Werdegang Hornblowers als Offizier der Royal Navy zur Zeit der



Der originale Uniformrock des Admirals Horatio Nelson kann an Bord seiner Victory noch heute
besichtigt werden!





napoleonischen Kriege. Die geschilderten Ereignisse und die Figur des Horatio Hornblower sind zwar frei erfunden, könnten sich aber durchaus in der Wirklichkeit so oder ähnlich ereignet haben. Hornblower selbst weist meiner Meinung nach Bezüge zu wirklichen englischen Seehelden auf und mir kommt da insbesondere der Admiral Nelson in den Sinn, jener Held der Schlacht bei Trafalgar, dessen Vorname ebenfalls Horatio war und der als Admiral am Cap Trafalgar auf dem Deck seines Flagschiffs, der legendären Victory, von einer gegnerischen Flintenkugel getroffen und tödlich verwundet wurde.

Die Schlacht von Trafalgar, in der die Briten gegen Franzosen und Spanier kämpften, wurde von den Briten gewonnen und Lord Nelson wird seither zu Recht als britischer Nationalheld verehrt. Von seinem Denkmal herab blickt er heute am Trafalgar Square in London auf die Gegenwart.









Her Majesty Ship Victory (Indienststellung: 1765) liegt heute
in 
Portsmouth und kann dort besichtigt werden. Offiziell dient
sie 
noch heute als Flaggschiff des Ersten Seelords und ist
damit 
das älteste im Dienst befindliche Schiff der Royal Navy




Die Geschichten rund um Kapitän Hornblower sind bei Amazon als Gesamtausgabe im Taschenbuchformat erhältlich.
Die knapp 50 Euro für die 11 Bände in einer Buchkassette sind gut investiertes Geld. Ich garantiere dem Freund schöner Abenteuerliteratur spannende Lesestunden und großes Vergnügen auch dann, wenn man in den Büchern nicht, wie ich es einmal durfte, stilgerecht an Bord eines Segelschiffes, sondern "nur" in der heimatlichen Hängematte schmökern kann.



C.S. Forester
Horatio Hornblower

Fähnrich Hornblower
Leutnant Hornblower
Hornblower auf der "Hotspur"
Kommandant Hornblower
Der Kapitän
An Spaniens Küsten
Unter wehender Flagge
Der Kommodore
Lord Hornblower
Hornblower in Westindien
Zapfenstreich

  • 11 Taschenbücher in Kassette: insgesamt 3420 Seiten
  • Verlag: Fischer Krüger (1999), Hamburg
  • ISBN-10: 3810506508
  • ISBN-13: 978-3810506504



Copyright: TinSoldier 2014
















Kommentare:

  1. In solchen Reihen steckt oft auch viel interessante Geschichte. Das könnte mich durchaus interessieren. Da gibts einige: Die Kent - Familiy von Jakes, oder Fackeln im Sturm, von eben diesem.
    Die hier sind älter aber darin liegt wohl der Reiz. Vor allem, weil die Geschichte vom Fähnrich bis zum Admiral führt.

    Ansonsten finde ich den Sparrow schon amüsant, es hätte aber auch der erste Film gereicht.

    Und zwanzigschüssige Revolver hatte auch ein John Wayne gelegentlich, Die gab es überall.

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    1. Meine Kritik gilt ja auch nicht gelegentlichen filmischen Übertreibungen sondern der ÜBERTREIBUNG der Übertreibung, die dadurch zum dominierenden Prinzip bei gleichzeitiger Absenkung des Anspruchsniveaus erhoben wird. Das Prinzip "höher-schneller-weiter" stößt irgendwann an Grenzen und führt auf Dauer in die Lächerlichkeit. Das gilt für den Film genauso wie für den Sport, wo man irgendwann ohne chemische Mittelchen, ohne Betrug also, nicht mehr in der Spitze mitspielen kann. Ich bin ziemlich sicher, dass die Leute irgendwann von den ganzen Superlativen so übersättigt sein werden, dass sie sich davon abwenden. Wenn du jeden Tag FILET vom Dreisternekoch essen musst, dann freust du dich irgendwann auf Würstchen und Kartoffelsalat!

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