Sonntag, 17. November 2013

Leonard, Peter: Das Meer in Erwartung der Schwimmer


"Warum willst du ans Meer, hat sie gefragt; Du kannst nicht schwimmen und willst ans Meer. - Genau deshalb, hat er gesagt."
So wie bei den beiden Protagonisten der Titelgeschichte dieses Bandes mit Erzählungen sind es die Brüche in den Charakteren, die den Autor interessieren. Ein Ausflug wird zur Sezierung eines Beziehungsgeflechts; eine Einladung in das Haus des Vorgesetzten verläuft so wie erwartet und doch ganz anders; eine junge Frau benutzt ihren Beruf, um gegen den Vater zu rebellieren... Alle eint die Komplexität der Figuren, die einen gemeinsamen Nenner suchen für das, was ihnen das Leben bedeutet. 




Neun Erzählungen...

(zuerst veröffentlicht von parden auf Buchgesichter.de am  17.11.2013)





In den neun Erzählungen dieses schmalen Bandes geht es um alltägliche Situationen, die genau diesen Begriff hinterfragen: Alltag.
Das Vorwort erläutert weiter: Menschen auf dem Weg zu etwas, vielleicht zu sich selbst; eingefangen in Momentaufnahmen, die Raum für Interpretation offen lassen, zum Nachdenken anregen; eine Tür einen Spalt weit auf machen, die jeder früher oder später erreicht. Verletzungen verschwinden nicht so einfach, sagen diese Geschichten - sie sind der Horizont, in dem wir uns bewegen; auch wenn es niemand wahrhaben will. Im Grunde aufeinander angewiesen, kämpfen die Protagonisten für die Aufrechterhaltung einer letzten Illusion: ihrer Selbstbestimmung des Lebens.

 

Die Erzählungen erscheinen gleichzeitig skizzenhaft und doch komprimiert, ungeheuer viel scheint zwischen den Zeilen mitzuschwingen. Peter Leonard schreibt ungezwungen, so wie man denkt, vieles nur angerissen, aber doch mit einer dahinter lauernden viel größeren Bedeutung.
Auf mich wirkten viele der Erzählungen düster, fast an der Unerträglichkeit des Seins angelangt, gefangen im Alltag. Einsamkeit und Verletzungen prägen meines Erachtens nach den Tenor des Geschriebenen, und das muss man als Leser erst einmal aushalten. In der Geschichte des Beamten Weber beispielsweise, die den Verfall einer Ehe protokolliert, schleicht sich allmählich an ein Grauen an, das trotz der nüchternen Sprache kaum erträglich erscheint, sich aber im Kopf festsetzt.

 

Beeindruckende sprachliche Skizzierung von scheinbar Alltäglichem, in ihrer düsteren Ausstrahlung allerdings nichts für jeden Tag.


 

© Parden

 






Ich danke dem Worthandel-Verlag ganz herzlich für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares!
 







Peter Leonard

Peter Leonard, geboren in Mainz, lebt und arbeitet in Spanien. In seinen Geschichten verarbeitet er Geschehenes und das immer Mögliche, das in der Erinnerung wacht. Über Literatur sagt er, dass sie jeden Tag den Kopf erhebt und sich nach Erntehelfern umsieht. Er hat einen Sohn, dessen Geburt die Werte neu justierte.





Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen