Mittwoch, 2. Oktober 2013

Gaarder, J.: 2084 - Noras Welt



2012 Plus 72 = 2084.
Meine Rezension zu Jostein Gaarders  "2084 - Noras Welt"
veröffentlicht unter buchgesichter.de und lovelybooks.de
 
In diesem Jahr lebt die nunmehr 88jährige Nora. Wir lernen sie als fast 16jährige (morgen hat sie Geburtstag) im Jahr 2012 kennen. Ihr Geschenk zum Geburtstag ist ein uralter Ring einer uralten Tante. Ob dieser wohl magische Kräfte hat?
Nora jedenfalls hat Fantasie. Diese ist so stark, dass das Mädchen sogar einen Psychiater aufsucht. Doch der Dr. Benjamin meint, sie sei kerngesund. Nora kann in die Zukunft "sehen". Sie lernt ihre Urenkelin namens Nova kennen. Bereits im Jahr 2012.
Um Jahr 2084 ist nichts mehr so wie 2012. der Meeresspiegel ist um wesentlich höher, das Eis der Polkappen wesentlich weniger. In Afrika und Saudi Arabien kann keiner mehr leben aber in Norwegen ist alles fruchtbarer und WÄRMER geworden. Daher gibt es dort jetzt auch Dromedar-Karawanen und Nova lernt einen arabischen Jungen kennen. Außerdem interessiert sie sich für die Flora und Fauna, die bereits nicht mehr existiert. sie hat ein Terminal, so eine Art iPad würden wir sagen, auf dem zeigt eine App im Minutentakt an, welche Tier- oder Pflanzenart soeben aufgehört hat zu existieren. Nora träumt von Novas Erlebnissen. Daher beschließt sie zum einen mit ihrem Freund Jonas eine Umweltgruppe zur Rettung von 1001 Tier- oder Pflanzenart zu gründen. Warum es gerade 1000und1 Art ist, muss der Leser oder die Leserin heraus finden. Nora schreibt Nova einen Brief…

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Hansen Verlag (Plakat)
In den verschiedenen Literaturkritiken und in den verschiedensten Blogs wird dargestellt, dass dieses Jugendbuch an ► Sofies Welt  anknüpfen und außerdem an ►1984 von ► George Orwell erinnern soll. Ob Jostein Gaarder das wirklich gewollt hat oder ob er mit dem Titel nur spielte, damit Nora im Jahr 2084 achtundachtzig Jahre sein kann, kann ich nicht sagen. Für mich hat das Jugendbuch keineswegs die Dimension des Big Brother. Auch die Behauptung einer Anknüpfung an "Sofies Welt" kann ich nicht teilen. Sofie fragte: "Wer bin ich?" und reiste in die Vergangenheit zu den Philosophen, die sich diese Frage in vergangenen Jahrhunderten und auch in aktueller Zeit stellten. Nora "schaut" ausgehend von drohender Klimaerwärmung und unabsehbaren Folgen in die Zukunft um zu erkennen, dass der CO2 Ausstoß und die Abschmelzung der Polkappen die Welt irreversibel verändern. Sofie fragt sicherlich nach der Bedeutung nicht nur ihrer Existenz, Nora fragt allerdings von vornherein nach der Bedeutung des sich verändernden Klimas für die ganze Welt und danach, was man denn tun kann, um sie zu erhalten. Mit ihrem Freund Jonas sinniert sie über die Möglichkeiten dazu. Wie wäre es zum Beispiel mit einer Lotterie?

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Gaarders Angebot zeigt weniger Möglichkeiten zum Klimaengagement auf, als vielmehr die Notwendigkeit, sich mit dem Thema zuerst ernsthaft auseinanderzusetzen. Genau das ist seine Botschaft an Jugendliche, die 2084 vermutlich noch erleben werden. Folgerichtig zeigt er am Schluss eine Vielzahl von Webadressen auf, die sich mit der Thematik befassen. Auf der Letzten Seite wird das "Angebot" real: Bäume pflanzen. Denn wenn alle Menschen je 150 Bäume Pflanzen, dann werden diese 1000 Milliarden Bäume ein Viertel des CO2 Ausstoßes binden. Das hört sich doch ziemlich real an. Oder?
Ich finde, das Buch ist unbedingt lesenswert trotz einiger Holprigkeiten. Außerdem ist es empfehlenswert. Ich würde es sogar als Schulliteratur empfehlen.

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Für Buchgesichter gibt es noch eine ganz besondere Empfehlung: Nora will mit Jonas in die Welt ziehen und kämpfen. Dazu will sie ihn auf die Probe stellen und mit ihm zusammen in die Welt der großen Literatur eintauchen. Sie wollen zusammen lesen. Nicht vorlesen, sondern, immer gemeinsam ein Buch lesen. "… dass wir zur selben Zeit dieselben Bücher lesen. Und uns zusammen in andere Welten begeben. In denselben Fantasielandschaften aus und ein gehen. So könnten wir uns nach und nach einen riesigen virtuellen Bekanntenkreis zulegen. Wir könnten in den Bergen wandern gehen und einen ganzen Schwarm von unsichtbaren Freunden bei uns haben…"

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 Der ► Hanser Verlag Kinder- und Jugendbuch hat wohl alle (?) auf jeden Fall aber die meißten der Bücher von Jostein Gaarder in Deutschland verlegt. Aber auch in der Erwachsenenabteilung wurden einige seiner Bücher verlegt. Neben Sofies Welt  ► DNB - seinen beispielhaft genannt:

  • Das Kartengeheimnis ► DNB -
  • Das Weihnachtsgeheimnis ► DNB -
  • Maya oder das Wunder des Lebens ► DNB -
  • Das Orangenmädchen ► DNB -
Diese habe ich auch gelesen. als nächstes sollte ich vielleicht Bibi Bokkens magische Bibliothek  ► DNB - lesen. Das ist ein Kinderbuch und wird an vielen Stellen empfohlen.


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Jostein Gaarder wurde 1952 geboren. Er lebt als freier Schriftsteller in Oslo. Nach dem Studium der Philosophie, der Theologie und der Literaturwissenschaft war er nunächst als Leher tätig. 

Im Jahr 1994 wurde sein Roman SOFIES WELT mit dem deutschen
Jugendbuchpreis ausgezeichnet. Der Erfolg war immens. Immer wieder beschäftige er sich mit den großen Fragen der Menschheit. Durch seine kritische Haltung zur Politik Israeil geriet Gaarder 2006 in die Schlagzeilen. Ihm wurde vorgeworfen, ein Antisemit zu sein. Gaarder hatte sich gegen die Idee von "Gottes auserwähltem Volk" gewandt und die Politik Israels kritisiert. Für den Interessenten hier in einem ► Blog der Text von Jostein Gaarder nebst einigen Kommentaren.

Deutsche Nationalbibliothek
► Jostein Gaarder in der DNB

© KaratekaDD
 

Kommentare:

  1. Ich lese es auch gerade... Scheint wirklich eher Jugendliche als Zielgruppe zu haben. Das mit der Irreversibilität ab einem gewissen Punkt ist schon erschreckend...

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  2. Stimmt, soll ja auch ein Jugendbuch sein. Die Kritiken sind nicht sonderlich wohlwollend, aber ich glaube, dass man Bücher eines Autors nicht ständig mit dem sehr erfolgreichen Erstlingswerk vergleichen soll. Aber das habe ich ja bereits geschrieben.

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