Dienstag, 1. Oktober 2013

Beckerhoff, Florian: Frau Ella


Der dreißigjährige Sascha ist wenig begeistert, als er nach einer Augen-OP kurzfristig sein Krankenzimmer mit einer schnarchenden Oma teilen muss: Frau Ella. Als die aber gegen ihren Willen operiert werden soll, bringt Sascha sie bei Nacht und Nebel in seine Wohnung. 
Saschas Freunde Klaus und Ute sind von dessen neuer Mitbewohnerin begeistert: Total schräg, so eine WG! Tatsächlich wird der lethargische Sascha die lebendige, aber einsame Frau Ella so schnell nicht wieder los. Klaus und Sascha nehmen sich der alten Dame an, kleiden sie neu ein, führen sie zum Essen aus und machen Ausflüge in die Sommerfrische. Alles läuft bestens - bis Saschas Freundin Lina braungebrannt aus Spanien zurückkehrt. 


Ein humorvoller und warmherziger Roman über eine ungewöhnliche Freundschaft. 






Kaffee mit Macchiato...

(zuerst veröffentlicht von parden auf Buchgesichter.de am  01.10.2013)



Szene aus dem gleichnamigen Film - Frau Ella und Sascha
Ella Freitag will wirklich niemandem zur Last fallen. Aber als das Wasser in ihrem Krankenzimmer allmählich immer höher steigt, drückt die 87Jährige doch auf die Klingel. Und so wird die rüstige alte Frau kurzerhand zum 30jährigen Sascha aufs Zimmer gelegt, der nach einer Augen-OP eigentlich nur seine Ruhe haben will.
Anfangs ist er recht genervt von der Belegung seines Nachbarbettes, aber als Frau Ella, wie er die alte Dame kurzerhand nennt, dazu gezwungen werden soll, ihre Einwilligung zu einer OP unter Vollnarkose zu geben - völlig unnötig, wie sie beide befinden - flieht er mit ihr in einer Nacht und Nebel Aktion aus dem Krankenhaus. Kurzerhand quartiert er Frau Ella erst einmal bei sich zu Hause ein. Nur für eine Nacht. So der Plan...

 

Was als spontaner Einfall beginnt, krempelt bald schon Saschas Leben um. Frau Ella und er nähern sich allmählich einander an - kopfschüttelnd zunächst, dann aber zunehmend wohlwollender. Vielleicht ist es eben doch schön, morgens von frischer Luft und Kaffeeduft geweckt zu werden - und vielleicht kann man auch unkonventionelle Methoden wie das Eierkochen nach Musik tolerieren, wenn das Ei dabei doch "exzellent" wird. So wie es verschiedene
Frau Ellas Kaffee mit Macchiato
Methoden des Eierkochens gibt, gibt es auch unterschiedliche Arten der Kaffeezubereitung, was Frau Ella anfangs sehr verblüfft. Schließlich fragt sie aber jeden, ob er oder sie den Kaffee mit Macchiato haben möchte, was nach anfänglicher Verwirrung jeden verzückt.
Nicht nur Sascha ist zunehmend begeistert von den Folgen seiner verrückten Entführung, auch seine Freunde verlieben sich in Frau Ella, die dadurch gehörig aus ihrer fast 90jährigen Routine gerissen wird - und wieder mehr am Leben teilzunehmen beginnt. "Was war da noch normal? Was gab es da zu verstehen? Die Welt war einfach verrückt geworden, und es war gar nicht nötig, dass sie alles und jeden verstand." (S. 269 f.)

 

Ein Buch über eine ungewöhnliche aber anrührende Freundschaft, die Annäherung verschiedener Generationen, Toleranz und Akeptanz, dabei humorvoll, tiefsinnig und voller Wärme. Witzig und klug geschrieben, verführt das Buch gleichzeitig zum Nachdenken über das eigene alltägliche Miteinander und lässt einen ahnen: Frau Ella täte jedem von uns gut.
"Wo soll das nur enden, Frau Ella?" "Na, irgendwann auf dem Kirchhof. Bis dahin könnten wir aber noch ein bisschen Spaß haben, oder?" (S. 80)

 

Ein Buch, das mich oft lachen ließ, das mich berührte - und das mir ein neues Lieblingswort präsentierte: "Staubschäfchen" (klingt doch viel netter als die ollen Wollmäuse...).
Und nun trinke ich noch einen Kaffee mit Macchiato und versuche mir etwas von der Wärme und dem Lächeln, mit dem das Buch mich zurückließ, zu bewahren.

 

Und ich freue mich auf den Film, Kinostart ist am 17. Oktober 2013.

Filmstart 17.10.2013



Und hier ist auch der Filmtrailer...






© Parden 





Florian Beckerhoff
Florian Beckerhoff, geboren in Zürich, aufgewachsen in Bonn. Er studierte Literaturwissenschaften bis zur Promotion, um dann doch lieber als Sprachlehrer, Museumswärter und Werbetexter zu arbeiten. Heute lebt er als freier Schriftsteller in Berlin.




 

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