Donnerstag, 12. September 2013

VERMES, Timur: ER IST WIEDER DA

Er ist wieder da!


Berlin 2011. 
Auf einem Brachgelände mitten in Berlin erwacht unter nebulösen Umständen Adolf Hitler!
Was nun folgt, ist eine Persiflage von besonderem Kaliber.

Das Buch ist sowohl ernst als auch amüsant. 
Dennoch: Bei dieser Form der Satire bleibt dem Leser an vielen Stellen das Lachen "im Halse" stecken.

Zur Geschichte:
Hitler beginnt schon bald nach seinem rätselhaften Erwachen im Berlin des Jahres 2011 damit, mit messerscharfem Verstand und der ihm eigenen bizarren Logik unsere moderne Gesellschaft zu analysieren und ihre Schwachstellen sogleich für sich nutzbar zu machen. Zunächst bringt er aber mal seine Uniform in eine türkische! "Blitzreinigung"!
In seinem Aussehen, seiner Sprache und seinem Habitus des originalen Hitlers, der er ja auch ist, wird er jedoch von seiner neuen Umwelt nicht ernst genommen: Man hält ihn fortan für einen perfekten Comedian, und alles, was er fortan von sich gibt, für Satire, die zwar manchmal die Grenzen des guten Geschmacks überschreitet, aber eben doch nur Satire ist.
Hitler hingegen meint jedes seiner Worte ernst!
Unübersehbar ist hier die Parallele zu seinem Buch "Mein Kampf", in dem er alles, was er später als "Führer" tun würde, beschrieben hat. Auch damals hat ihn niemand ernst genommen - was ein fataler Fehler war, wie später die Geschichte zeigte!

Der Hitler aus unserer Satire, aller Machtmittel und "seiner SA" beraubt,  beginnt also eine steile Medienkarriere als Comedian und gewinnt so zunehmend Einfluss. Entlarvend auch hier die Beschreibung bestimmter Charaktere, die ihn offenbar durchaus durchschauen,  ihn aber dennoch um Geld und ihrer persönlichen Karriere Willen zu fördern bereit sind.
Auch das erinnert uns stark an die Geschichte um den Aufstieg des wahren Hitlers.

Um die Parallelen zur Wirklichkeit komplett zu machen, bemühen sich auch in unserer Satire Politiker zahlreicher Parteien, angefangen von Renate Künast! bis hin zu Sigmar Gabriel um Hitler, dessen Popularität sie sich gern zunutze machen würden! 
Nur die NPD, die für unseren Satire-Hitler nichts "als ein Haufen Waschlappen" ist, bei denen "ein anständiger Deutscher"! nichts verloren hat!", sieht in ihm einen "Nestbeschmutzer", welcher "den Führer" verhöhnt. Ironischerweise sind es dann auch rechte Schläger, die "unserem" Hitler eines Abends auflauern, ihn als "Judenschwein" beschimpfen und übel zusammenschlagen.
Die Botschaft ist klar: Die rechten Dumpfbacken sind selbst dazu zu dämlich, "ihren Führer" zu erkennen, wenn er vor ihnen steht!

Timur Vermes ist es gelungen, uns mit seinem Buch zu verdeutlichen, wie Manipulation funktioniert und wie nahe Ernst und Satire, Wahrheit und Verstellung oftmals beieinander liegen. Gleichzeitig wird offenkundig, wie oberflächlich und kritiklos unsere heutige Mediengesellschaft funktioniert und wie leicht man offenbar bereit ist, Geschmacklosigkeiten und selbst menschenverachtende Botschaften unter dem Label von vermeintlicher Komik und Satire zu bejubeln.

Meine Bewertung:
Ein lesenswertes Buch, basierend auf einer ungewöhnlichen Idee, das mit teilweise bissigem Humor aufwartet und das zum Nachdenken anregt!




Vermes, Timur:
ER IST WIEDER DA
Genehmigte Lizenzausgabe 2013
für Verlagsgruppe Weltbild GmbH,
Augbsurg.
Zuerst erschienen im 
EICHBORN Verlag in der
BASTEI LÜBBE GmbH & Co. KG

ISBN 978-3-86365-883-0

Deutsche NationalBibliothek



© TinSoldier

Kommentare:

  1. Bis jetzt bin ich skeptisch, ob ich mir entweder das Buch genehmigen sollte, vielleicht das Hörbuch, oder ob ich es nicht von vornherein ignoriere. Wobei ignorieren geht ja gar nicht und streckenweise hab ich schon reingehört.
    Schwierig.

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  2. Gönn es dir -ich bin auf deine Meinung gespannt!

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  3. Das Hörbuch wird allgemein noch eher empfohlen. Ich habe es auch schon, bislang bin ich aber noch nicht dazu gekommen es zu hören. Das werde ich dann wohl bald mal nachholen müssen. Ich bin jedenfalls sehr gespannt!

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  4. Mir ging nach ein paar gehörten Abschnitten (Textauszüge aus dem Internet) das Ganze schon auf den Senkel. Doch eher lesen?

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