Dienstag, 6. August 2013

Schilddorfer, Gerd: Heiß

Wenn FALSCH heiß war, dann kann HEISS nicht falsch sein.
Meine Rezension zu Gerd Schilddorfers Roman HEISS.
(auch veröffentlicht in gekürzter Form unter Lovelybooks.de und buchgesichter.de) 

Hier ein Vortrag von Gerd Schilddorfer in BORKWALDE. Sehr interessant. Mit selbstgelesenen Auszügen aus dem Buch.



HEISS ist es in diesem Sommer, HEISS ist es tagsüber in der Wüste, aber auch wenn es in der Nacht ein wenig kühler ist, dann bleibt´s immer noch HEISS. Ebenfalls muss dies konstatiert werden für die Eingangssequenz im HINDUKUSCH, dort ist es in der Nacht bestimmt nicht so HEISS, bestimmte dort lebende Menschen tragen seltsame Pudelmützen. Ein wenig Abkühlung verschaffte mir zeitweise ein Schwimmbad im Kinzigtal, aber das gehört nicht hier her. Hier her gehört, dass es einem ganz schön HEISS werden kann, wenn man Gerd SCHILDDORFERS neuesten Roman HEISS liest. Nein, es handelt sich nicht um einen erotischen Roman, auch wenn es an zwei Stellen gelegentlich knistert. (Wenn ich so weiterschreibe wird nie eine richtige Rezension daraus)
* * *
KALT - WARM - HEISS hieße ein Ratespiel dass wir als Kinder gelegentlich spielten. Hier spielt es am Ende des Romans die graue Eminenz der britischen Geheimdienstszene, Peter COMPTON mit seinem vertrauten (?) Mitarbeiter Major LLEWELLYN Thomas. HEISS ist es, als Llewellyn den Punkt auf das i mit seiner letzten Frage setzt. Natürlich kann ich das hier nicht preisgeben, sonst wäre ja die Spannung weg. Den beiden Figuren begegnet der Leser bereits zum zweiten Male, wenn er im letzten oder in diesem Jahr den ersten Roman um den Flieger und Abenteurer John FINCH gelesen hat. Geschrieben von einem österreichischem Autoren und langjährigem Journalisten namens Gerd SCHILDDORFER.
Besagter FINCH hat von Südamerika etwas die Schnauze voll und verzieht sich wieder in sein Lieblingsland: ÄGYPTEN. Dort, gemeinsam mit dem frechen Papagei SPARROW ankommend, wird John allerdings einmal ziemlich frostig empfangen. In der Folge dann allerdings wesentlich freundlicher von einer Wissenschaftlerin und Handschriftenexpertin namens AMINA, die der Flieger bereits seit Jahrzehnten kennt aber auch sehr lange nicht gesehen hat. Eine HANDSCHRIFTENEXPERTIN die in der neuen ►BIBLIOTHEKA ALEXANDRINA (► Spiegelartikel) arbeitet. Flugs gerät der Leser wieder auf eine  Spur welche, wie könnte es anders sein, natürlich KALT ist.
Kalasha Girl
Gleichzeitig verübt ein Einsatzkommando im HINDUKUSCH einen Mord an einem Wissenden der ►KALASHA . Aber nicht nur dort, auch in Berlin kommt jemand ums Leben und das nicht, weil sein Porschefahrrad für die Mörder interessant gewesen wäre. Die Mörder des Berliners kommen noch bis Frankfurt und liefern einen ominösen Gegenstand ab. Nein, es ist keine antike Handschrift - wieder KALT.
KALESH
Sea Harrier im Falklandkrieg
Die erwähnte Wissenschaftlerin wird in Kürze auch nicht sehr gesund aussehen und gesund bleiben soll ein hoher Polizeibeamter aus Pakistan, der sich beim ermitteln gerade am pakistanischen Geheimdienst und anderen die Zähne auszubeißen scheint.Schön undurchsichtig alles, aber Llewellyn, John & Shabbir werden es der Welt schon zeigen, zuerst braucht John aber ein geeignetes Fortbewegungsmittel, diesmal ist es ein Jagdflugzeug, ein Senkrechtstarter namensHARRIER, den Typ hat FINCH bereits im ►Falklandkrieg geflogen. >>Aha<<, denkt der Leser, >>das habe ich aber auch noch nicht gewusst.<<
Nun muss ich noch erwähnen dass ohne die Ermittler CALIS (Berlin) und TRAPP (Frankfurt am Main) am Ende auch nichts HEISS wäre.
* * *
Wer spielt noch mit? Na ► Peter o´Toole, äh, ► LAWRENCE OF ARABIA, mit richtigem Namen E.T. LAWRENCE. Im Lexikon steht, dass dieser berühmte Mann 1936 einen Motorradunfall hatte, den erleidet er auch hier… Natürlich ist das eine Rückblende. Eine weitere Rückblende führt noch weiter zurück ins Mittelalter. Aber immer endet alles in der Wüste… Oder doch nicht?
Nicht vergessen zu erwähnen sollte ich die ► Legion Etrangére, die französische Fremdenlegion.          
Webseite
Okay, das passt irgendwie zu Nordafrika, allerdings ist diese Fährte dann wieder... ???. Verblüffend, wenn man dann mal googelt: Die Legion ist in Deutschland mehr ►präsent als man denkt. (► Amicale Mannheim e.V.)
* * *
Auch wenn der Leser ständig auf dann doch KALTE Fährten geschickt wird, HEISS ist der Roman auf jeden Fall. Gerd SCHILDDORFER versteht es wirklich gut, die verschiedensten "Nervenstränge" eines Romans so zu weben, dass daraus ein Thriller wird. Dieser spielt dann auf drei Zeitebenen und streift dabei nicht nur das Mittelalter. Da außerdem antikes Wissen eine Rolle spielt, könnte man auch von vier Zeitebenen reden, aber dies ist nicht notwendig.

Gelegentlich kommt man etwas durcheinander. Es schadet dem "oberflächlichen" Schnellleser gar nichts, wenn er mal zurückblättert. Auch wenn er dadurch nur erfahrt, dass FINCH von ► CHINGUETTI nichts weiß aber hätte wissen können.

Durch vermutliche Druckfehler oder Lektorenfehler kommen "Insider" auch mal ins grübeln. Zum Beispiel, wenn der Chef des KK (Kriminalkommissar) CALIS nur POK (Polizeioberkommissar) ist und diesen auf Spurensuche in ein anderes Bundesland entsendet ohne das LKA (Landeskriminalamt) einzuschalten. Irgendwann erhält besagter POK dann die "bessere" Amtsbezeichnung: Er wird zum Polizeioberrat (POR) "befördert", sollte allerdings besser Kriminaloberrat (KOR) sein. (Diesen kleinen Seitenhieb kann ich mir nicht verkneifen, aber schön war, dass der Autor meine Frage in der Leserunde zur Hierarchie der Berliner Polizei wohl wegen des Druckfehlers nicht verstand).
* * *
Richtig ist, dass man ► FALSCH nicht gelesen haben muss, um hier besser durchzublicken. Letztlich, und damit treibt Gerd SCHILDDORFER die Spannung seiner Fans in die Höhe, bleiben immer noch genug Rätsel offen, damit man STILL liest. (nicht suchen: kommt erst noch). Andererseits ist HEISS ein richtiger Folgeband. JOHN & FIONA gedanklich zusammen zu bringen, fällt ohne FALSCH sicherlich schwerer. (Wer zum Teufel ist eigentlich Fiona?) Dass JOHN & LLEWELLYN schon mal zusammengearbeitet haben wird klar. Aber warum sie sich ständig frozzeln erschließt sich erst aus der Handlung von FALSCH.
Überhaupt wachsen einem die Gestalten so nach und nach an das Herz.
* * *
Möge die Handlung sehr fiktiv sein, sie beruht auf Überlegungen, die nicht so ganz von ungefähr kommen. Ich behaupte schnell mal, dass Wissenschaftler, insbesondere Archäologen und Historiker durchaus nach einem Grab suchen, welches auf irgend eine Weise mit der der Stadt ALEXANDRIA, der alten wie der neuen BIBLIOTHEKA ALEXANDRINA und der geheimnisvollen Volksgruppe der KALESH, oder KALASHA steht. Aber googeln müsst ihr schon alleine.
Reisebericht eines Abenteurers
Alleine das Thema BIBLIOTHEK lässt Freunde historischer Roman aus dem Häuschen geraten. der UNESCO Neubau scheint immer wieder Romanautoren zu inspirieren. (► antike Bibliotheken)
* * *
Für mich heißt es, den nächsten Roman des Österreichers muss ich mir natürlich auch reinziehen. Eine Biografie des Peter o´Tooles, äh, des E.T. Lawrence natürlich auch.

PS: Peter o´TOOLE kennt doch wohl jeder, oder? Er hat des LAWRENCE von Arabien filmisch berühmt gemacht

Autoren - Blog
Deutsche Nationalbibliothek

(c) KaratekaDD

Kommentare:

  1. Nein, nein, so geht es nicht weiter: Ständig Posts über die Bücher von Gerd Schilddorfer *grins* Der hat ja noch mehr Bücher geschrieben.
    Diese beiden ("Falsch" und "Heiß") haben Anne und ich beide gelesen und waren wohl gleichermaßen begeistert.

    AntwortenLöschen
  2. Also: Dies ist eine typische KaratekaDD - Rezension, also kann sie nicht schlecht sein. Soviel mal vorweg.
    Aber diese Rezension ist nicht nur gut, sie ist auch amüsant!
    Allein schon das Wortspiel im Titel verdient die Bestnote.
    Also Uwe: Gratuliere, du hast dich wieder mal übertroffen!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke Rudi, Nach Annes vorlage musste ich mir was einfallen lassen. Schwierig war auch, es nicht zu allzu großer Spoilerei oder wie das heißt kommen zu lassen.

      Löschen
  3. Ich muss Rudi wirklich beipflichten - eine typische KaratekaDD-Rezension. Macht richtig Spaß zu lesen! Herrlich! :D

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Und ich werde das Gefühl nicht los, dass Du den Namen Llewellyn genauso schön findest wie ich, *lach*.

      Löschen
  4. Danke für die lieben Zeilen. Und Llewellyn gefällt mir wirklich. Ich kann ihn sogar fehlerlos schreiben.

    AntwortenLöschen
  5. Danke, Uwe, ich freu mich schon sehr, zu Deinen (viel)gelesenen Autoren zu gehören. Damit hoffe ich, daß Dir Löwenzahn und Himmelschlüssel auch gefallen, auch wenn das neue Buch nichts mit Thriller zu tun hat, keine Kriminalkommissare vorkommen (Du weißt ja, daß Du ab jetzt damit mein Berater in Polizeifragen bist...:=) und kein Blut aus den Seiten rinnt. Ist nur - zu Lachen...:=)
    Viele Spaß beim Lesen!
    Gerd

    AntwortenLöschen