Samstag, 13. Juli 2013

Haushofer, Marlen: Die Wand

Gelegentlich gewinne ich ein Buch...
Meine Rezension zu Marlen Haushofers Roman: DIE WAND
(zuerst veröffentlicht unter buchgesichter.de am 08.11.2012)




Durch eine zum Glück begangene "Irrung" kam ich an dieses Buch. Ich dachte nämlich, dass es bei dem Gewinnspiel hier gleich die DVD mit dazu gibt. So ein Quatsch, ist doch der Film gerade erst in die Kinos gekommen.

M. Haushofer (Bildquelle)
Den muss ich mir unbedingt anschauen, denn die Handlung des bereits 1963 durch die österreichische Schriftstellerin ►Marlen HAUSHOFER (1920 - 1970) geschriebenen Romans schreit eigentlich nicht nach filmischer Umsetzung, die Hauptfiguren bestehen aus einer Frau (im ►FilmMartina GEDECK), einer Katze, zwei derer Nachkommen, einem Hund, einer Kuh und deren Sohn STIER. All diese leben hinter der WAND. Es wird nicht erklärt, wie es zu der WAND kommt. Ist sie ein Waffe? Oder was?`
Der Gedanke liegt wohl nahe in den Jahren des kalten Krieges. List man aber das äußerst informative Nachwort, dann merkt man, die WAND ist das Wichtigste nicht. Nur die Ursache dafür, dass die Frau aus der realen hektischen Welt in eine reine Natur ohne Menschen gerät und sich nun hier behaupten muss. Doch ist sie wirklich allein?

Martina Gedeck (Bildquelle)
Okay, sie ist gut versorgt im Jagdhaus von Freunden, die eines Abends in den nächsten Ort fahren und nicht wiederkommen. Die Tiere werden zu Gefährten. Holz machen, Heu für die Kuh, welche Milch für Katze, Hund und Mensch liefert, Erdäpfel (Kartoffeln) und Bohnen anpflanzen: Nicht gerade das, was die Städterin von Anfang an beherrscht. Aber sie lernt es mühsam. Irgendwann fängt sie an das aufzuschreiben. Ein Kätzchen und ein Kater, der Hund und der Stier sind da schon nicht mehr am Leben, wie man nach und nach erfährt. Doch warum müssen sie sterben? Gibt es eine Lösung in diesem Fall? Aber ist es überhaupt die LÖSUNG oder AUFLÖSUNG nach der man beim Lesen suchen sollte? Am besten ist allerdings, man sucht nichts, man liest und lässt es wirken. Einmal, zweimal, drei….

Es liest sich wunderbar und man meint zu spüren, wie der Ballast der hektischen, verqualmten, erfolgsorientierten, hier vergangenen Welt von "einem" abfällt. Zeit wird mit der Zeit unbedeutend. Denn Zeit hat ihre Bedeutung nur im Zusammenhang mit dem Denken. Was ist aber, wenn es nur noch einen Menschen und dann keinen Menschen mehr gibt? Dann ist Zeit nicht nur bedeutungslos, nein, es gibt keine mehr.

Inwiefern der Roman auch Zeitkritik ist, muss wohl jeder Rezipient selbst heraus finden. Im Internet findet man viele Interpretationen. Wenn im Nachwort eines Klaus ANTES steht, dass die Autorin im Jahr 1963 keinen Erfolg haben konnte dann ist das irgendwie tragisch. Heute, wenn auch verspätet, hat sie welchen.
"Das Werk, von dem die Dichterin sagt, es habe 'am wenigsten Mühe gekostet' läuft heute Gefahr, zur Kultfibel oberflächlicher Konsumenten zu werden." 
Dies sollte dem geneigten Leser, der geneigten Leserin zu denken geben und sie sollten am besten gleich noch mal von vorn beginnen. Denn es lohnt sich.

DIE WAND gilt wohl als HAUSHOFERs wichtigstes Werk. Es wurde viel gelobt UND vergessen, wie viele andere Bücher der gerade mal 50 Jahre alt gewordenen Autorin. Durch die Frauenbewegungen der folgenden Jahrzehnte wurde deren Werk neu erneut bekannt.

Deutsche Nationalbibliothek
Marlen Haushofer in der ►DNB
* * *

Nun wurde es wie erwähnt ►verfilmt. Auch die Kritiken sind unterschiedlichster Art. Und wohl gerade deswegen wäre es doch interessant zu wissen, ob ► Julian PÖLSLER etwas einfangen kann, vom Geist der Marlen HAUSHOFER. Die Gelegenheit dein Film in der Wohnstube auf meinem Fernseher dank Maxdome und WLAN sehen zu können, hab ich mir nicht entgehen lassen.



"Wie Martina Gedeck das spielt, wie sich all das - Verlorenheit, Glück, Angst und Mut - in ihrem Gesicht spiegelt, das gehört zum Wunderbarsten, was ich je im Film gesehen habe." (Elke Heifenreich im Stern / DVD - Cover)

Ich finde auch, dass der Film  (offizelle ►Webseite) ein sehr intensiver, ein sehr schöner Film ist. Der Leser oder der Zuschauer wird nur von der Natur, einigen wenigen Tieren und einer Frau in den Bann gezogen. Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Arbeit in der Natur. Das Aufschreiben geschieht wohl, um nicht verückt zu werden. Ob es jemand irgendwann einmal lesen wird, ist unerheblich. Die Ruhe des Films überträgt sich fast ebenso wie die beim lesen. An einer einzigen Stelle wird es schnell, rasant und...grausam. Leider. Aber ohne diese Szene könnten weder Buch noch Film bestehen. Es ist wohl einer der besten deutsscprachigen Filme der letzten Jahre.
 

© KaratekaDD
(altualisiert am 16.07.2013)

Kommentare:

  1. Das erinnert mich daran, dass ich das Buch unbedingt noch lesen muss/will/möchte! Deine Rezension macht richtig Lust auf das Buch...

    Ganz ist mir nicht klar, ob Du den Film jetzt gesehen hast oder nicht? Oben schreibst Du, Du müsstest ihn Dir unbedingt ansehen, unten klingt es so, als hättest Du schon?

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  2. Vor kurzem habe ich den Film gesehen. Der Text oben ist etwas älter.

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