Samstag, 15. Juni 2013

Neutsch, Erik: Zwei Leere Stühle

Der Arzt und der Offizier
Rezension zu zwei leere Stühle von Erik Neutsch 
auch veröffentlicht unter lovelybooks.de

Zwei Abiturienten, zwei Freunde, einer Arzt der andere Offizier. Und Zwei leere Stühle. Ihre Stühle. Denn beide kommen nicht zum Klassentreffen. Der eine, Uwe, ist verstorben. Der Offizier. Der andere, der Arzt, Wolfgang, lebt nicht mehr in diesem Land. Er hat einen Weg gefunden, über Bulgarien in die Bundesrepublik Deutschland. Uwe wollte einen seiner Soldaten in einem Schützenpanzer retten und stürzt mit diesem von einer Brücke in die Tiefe.
Wolfang war der Klassenprimus und Uwe war der Tollpatsch, Sportler, aber ständig ins Fettnäpfchen tretend. Und so einer wird Offizier? In der DDR.
Arzt wird man nur mit den besten Noten, auch damals, die hat der Wolfgang.



 

Klassentreffen: Der Direktor Helmut Hausknecht hat eine Einladung erhalten. Vor ungefähr 10 Jahren machte die Klasse ihr Abitur an einer Erweiterten Oberschule. Der Direktor erinnert sich: An Uwe Tolls, das schwarze Schaf und an Wolfgang Lichterfeld, den tollen Hecht mit den Bestnoten und dem höchsten Klassenbewußtsein, das man sich so denken konnte. Den Träger der Lessing-Medailie, die nur die besten Abiturienten erhielten.
Er erinnert sich an das letzte Zusammentreffen der beiden in seinem Garten. Und dass er schon dort über die unterschiedliche Entwicklung der beiden nachdachte.

Ein Buch: Nicht dick. Eine Novelle eben. Kritisch. Fragend. Und doch PRO DDR. Ein Stück Geschichte. Mit Figuren, die authentisch wirken. Auch wenn das Ergebnis schon im Titel liegt, ist die Novelle nicht ohne Spannung. Die beiden Hauptfiguren sind detailliert heraushebend gezeichnet. Die Klassenkameraden bleiben etwas im Hintergrund. Selbst das Mädchen um das sich beide mal bemühten und die jetzt Lehrerin an eben dieser Schule ist.


Der Autor: Erik Neutsch. Kaum mehr bekannt zumindest unter jüngeren Lesern. Eher noch sein Roman SPUR DER STEINE. Weil als Film verboten. Auch wegen Manfred Krug. Dem Hauptdarsteller. Der Autor ist inzwischen 82 Jahre alt. Hier hat er, der doch sonst mit dicken Romanen (Der Friede im Osten) bekannt wurde, eine kurze aber sehr imprägnante Novelle verfasst. Damals im Jahr 1979, zehn Jahr vor dem Fall der Mauer. Die Geschichte ist heute sicherlich differenzierter zu bewerten. Was er wohl selbst dazu sagt?






Ein Film: Im Jahr 1987 gedreht. Mit Martin Trettau (Helmut Hausknecht) Thomas Wolf (Uwe Tolls) und Walter Plathe (Wolfgang Lichtenfeld) in den Hauptrollen. Irgendwie anders als die Novelle. Aber sehenswert. Die Konflikte zwischen den Personen werden ebenso wie im Buch deutlich. 



 Ich werde ihn wieder mal in die Hand nehmen. Demnächst.

Deutsche Nationalbibliothek
 


© KaratekaDD
 

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