Samstag, 22. Juni 2013

BG: Esche und Heine

Der ist sicher noch öfter dran hier, der Eberhard Esche. Duch zuerst gibt es mal den "Nachdruck" eine Buchgesichter-Buchgeschichte.

Das Wintermärchen und andere...  

Eine "Zugabe" zu den folgenden Post`s                                                                                                     

von KaratekaDD (nach buchgesichter.de vom 07.05.2010) mit einer "Zugabe" von Anne Parden (buchgesichter.de  vom 23.05.2010)


Natürlich ist es nicht von Eberhard Esche, dem Schauspieler des Deutschen Theaters, sondern von Heinrich Heine. Das Wintermärchen, meine ich. Dazu kommt, dass diese Geschichte nur sehr indirekt mit Heines "politischem Gedicht" zu tun hat. Darum bleib ich erstmal mal bei Esche, der das Wintermärchen gar trefflich darbieten konnte. Das dies uns leider nicht mehr vergönnt ist, empfinde ich als tragisch. Er verstarb am 15. Mai 2006. Beim Soloabend gab es immer wieder Rufe nach Zugaben. Und die waren natürlich oft auch, na von wem? Von Heine. 

So zum Beispiel dieses: 

Zur Theleologie 

(Heinrich Heine, Ausschnitt, vollständiges Gedicht ► hier)

Gott versah uns mit zwei Händen,
dass wir doppelt Gutes spenden;
nicht um doppelt zuzugreifen
und die Beute aufzuhäufen
in den großen Eisentruhn,
wie gewisse Leute tun --
(ihren Namen auszusprechen
dürfen wir uns nicht erfrechen --
hängen würden wir sie gern,
doch sie sind so große Herrn,
Philanthropen, Ehrenmänner,
manche sind auch unsre Gönner,
und man macht aus deutschen Eichen
keine Galgen für die Reichen.)

Gott gab uns nur eine Nase,
weil wir zwei in einem Glase
nicht hineinzubringen wüßten,
und den Wein verschlappern müßten.

Gott gab uns nur einen Mund,
weil zwei Mäuler ungesund.
Mit dem einen Maule schon
schwätzt zu viel der Erdensohn.
Wenn er doppelmäulig wär,
fräß und lög er auch noch mehr.
Hat er jetzt das Maul voll Brei,
muß er schweigen unterdessen,
hätt er aber Mäuler zwei,
löge er sogar beim Fressen. 


Zum auswendig lernen hervorragend geeignet, damit erntet man Beifallsstürme. Tatsache. Aber vor kurzem las ich mal den ganzen Text. Dabei fiel auf, dass der Heine nicht nur die politische Satire hervorragend beherrschte (Ebs Esche auch), was ich Euch nicht vorenthalten kann:


Doch der Mensch fragt stets: Warum?
Wenn er sieht, dass etwas dumm.
Freund ich hab dir zugehört,
und du hast mir gut erklärt,
wie zum weisesten Behuf
Gott den Menschen zweifach schuf
Augen, Ohren, Arm' und Bein',
während er ihm nur ein
Exemplar von Nas und Mund --
doch nun sage mir den Grund:
Gott, der Schöpfer der Natur,
warum schuf er einfach nur
das skabröse Requisit,
das der Mann gebraucht, damit
er fortpflanze seine Rasse
und zugleich sein Wasser lasse?
Teurer Freund, ein Duplikat
wäre wahrlich hier vonnöten,
um Funktionen zu vertreten,
die so wichtig für den Staat
wie fürs Individuum,
kurz fürs ganze Publikum.
Zwei Funktionen, die so greulich
und so schimpflich und abscheulich
miteinander kontrastieren
und die Menschheit sehr blamieren.
Eine Jungfrau von Gemüt
muß sich schämen, wenn sie sieht,
wie ihr höchstes Ideal
wird entweiht so trivial!
Wie der Hochaltar der Minne
wird zur ganz gemeinen Rinne!
Psyche schaudert, denn der kleine
Gott Amur der Finsternis,
er verwandelt sich beim Scheine
ihrer Lamp -- in Mankepiß.


Na, kennt ihr diesen Heine?

So kommt man man zu subtiler Erotik, gepaart mit fast klassischer Lyrik. Oder ist sie gar schon Klassik?  
Aber zurück zu Esche. Wenn ihr DAS WINTERMÄRCHEN hören wollt, dann sucht nach einer Aufnahme mit ihm. Leider lebt er nicht mehr, die CD hab ich mir sofort nach seinem Tode zugelegt.

Hier könnt ihr ihn hören, den Eberhard Esche, natürlich mit Heinrich Heine.
Der tugendhafte Hund 
Zur Beruhigung (hier rezitiert ein anderer)

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Das kommt davon...

von Parden (buchgesichter.de  vom 23.05.2010)

Dass ich in der Auswahl meiner Bücher zwar in der Regel meinen Vorlieben folge, bedeutet ja noch lange nicht, dass ich nicht auch offen bin für Neues. Neugierde und auch Mut, so scheint´s, gehören dazu, seinen geistigen Horizont dergestalt immer mal wieder zu erweitern... 

Wer mal auf meine Profilseite geschaut hat, weiß vielleicht, dass dort von Anbeginn meiner Zeiten hier bei buchgesichter.de bei der Frage "Welches Buch in deinem Regal ist noch ungelesen?" die Antwort steht: "Klassiker (Kafka, Heine, Brecht)". Das ist natürlich etwas geschönt (ähem, mein kompletter SuB passte in die kleine Sparte einfach nicht herein), trifft es im Kern aber schon. Die sogenannten Klassiker habe ich immer ausgeklammert, wo es nur ging.

Jetzt habe ich aber gerade in der letzten Zeit bei mehreren Buchgesichtern sehr positive Stimmen zu Heines "Deutschland, Ein Wintermärchen" gelesen. Als ich dann zu einer der positiven Rezensionen als Kommentar schrieb, dass ich das Buch jetzt doch auf meine Wunschliste setzen würde, bot Uwe alias KARATEKADD mir spontan an, mir die Hörbuchfassung von Eberhard Esche zu schicken.
Da ich Hörbüchern gegenüber sehr aufgeschlossen bin, fand ich die Idee toll und stimmte zu. Gesagt, getan - einige Tage später hatte ich das Hörbuch hier. *Freu und Dank*!


Heute Nachmittag hatte ich dann auch Zeit, um gespannt in das Hörbuch hineinzulauschen. Ach je...
Das reimt sich ja! In der besagten Rezension hatte ich tatsächlich völlig überlesen, dass es sich bei dem Wintermärchen um einen Gedichtszyklus handelt! Und wenn ich mit etwas noch größere Probleme habe als mit den sogenannten Klassikern, dann ist es mit Lyrik. Das kommt davon, wenn man nicht genau liest...

Nach mehrfachem Anhören von Track 1 des Hörbuches war mir die Thematik dann zwar nicht mehr gar so fremd. Aber da Eberhard Esche das Werk nach beschaulichem Anfang teilweise doch recht temperamentvoll vorträgt, hatte ich manchmal reichlich Mühe, den mir unbekannten Text zu verstehen.
 

ABER: Das wäre ja gelacht! Ich habe gleich heute Nachmittag noch das Buch "Deutschland, Ein Wintermärchen" bestellt und werde es mir nun einfach vor dem Anhören des Textes und vielleicht auch parallel dazu durchlesen. Wenn es im Grunde nur begeisterte Stimmen zu dem Buch gibt, muss das doch einfach einen Grund haben - ich gebe jedenfalls nicht auf!
 

Also, Uwe: Hopfen und Malz sind noch nicht verloren - ich gebe mein Bestes. 

Und im Vertrauen auf Heinz Erhardt...
 

Es soll manchen Dichter geben,
der muss dichten, um zu leben.
Ist das immer so? Mitnichten,
manche leben um zu dichten.


...setze ich feste darauf, dass Heine zu letzteren gehört... 


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Das Wintermärchen, vorgetragen von Eberhard Esche bei Amazon.de

Kommentare:

  1. ja ja, der gute alte Heine:
    Er war ebenso scharfsinnig wie scharfzüngig.
    Ich persönlich liebe Heinrich Heine und finde ihn in vielem noch heute erstaunlich modern!
    Da unser KaratekaDD ja aus Sachsen kommt, hat er vielleicht Freude an dieser kleinen Parodie auf Heine´s Gedicht "Loreley":

    Ich weeß nich, mich isses so gomisch,
    Und ärchendwas macht mich verstimmt.
    Ich globe, des is anadomisch,
    Wie das bei de Menschen so kimmt.

    De Elbe, de blätschert so friedlich,
    Und e Fischgahn gommt aus dr Tschechei,
    Drin sitzt ne Familche gemütlich,
    Nu sindse gleich bei dr Bastei.

    Und obm uffm Berche, nu gugge,
    Da gämmt sichn Freilein ihrn Zopp,
    Se striecheltn feste mit Spugge
    Und gläbtn als Gauz aufn Kopp.

    Der Papa dort unten ihm Gahne
    Schaut nuff bei das Freilein entzickt.
    Die Mama, die spricht voller Ahne:
    "Die macht unsern Papa verrickt!"

    Nun fängt die dort obm uffm Berche
    Zu singn noch an een Gublee.
    Der Papa im Gahn tut sich wälze
    Und jubelt vor Freude juchhee.

    "Sitzt ruhig!" ruft ängstlich Ottielche,
    Schon gibbelt ganz schregglich der Gahn -
    Und plätzlich versingt de Familche,
    Ach Freilein, was hamse gedan!?

    (Verfasser mir unbekannt, Quelle: das www)

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  2. Das ist von Lene Voigt, Rudi, die nämlich in sächsischer Mundart klassische Stücke und Balladen geschrieben und veröffentlicht hat. Klar kenne ich das.

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