Freitag, 28. Juni 2013

Ein Trost für alle SuB-Besitzer?

Ein Trost für alle SuB-Besitzer?

Eine Buchgeschichte zu Umberto Eco´s "Die Kunst des Bücherliebens"
zuerst veröffentlicht unter Buchgesichter.de am 03.09.2011





Nachdem ein Buchgesicht allein zu diesem Buch schon eine Rezension, eine Buchgeschichte und drei Wortgeflüster geschrieben hat ("KaratekaDD erklärt die Sache mit den Büchern" Teil 1-3, köstlich!), habe ich gar nicht für möglich gehalten, dass irgendjemand hierzu noch großartig etwas verfassen könnte.
Nun, großartig ist es auch nicht, aber immerhin blieb ein Aspekt des Buches bislang unbeleuchtet.

Und zwar der Aspekt der Bibliothek. Nein, gemeint ist damit nicht die öffentliche Ausleihanstalt, sondern die ganz private Büchersammlung. Die ja sicherlich von Haushalt zu Haushalt sehr unterschiedlich ausfällt. Während meine Oma ganze 12 Bücher ihr eigen nannte, blickt Eco beispielsweise stolz auf seine 30.000 Exemplare in seiner Mailänder Bibliothek.
Nun, bei mir bewegt es sich irgendwo dazwischen Smiley1

Jedenfalls ist es doch ein bekanntes Phänomen, dass bei einer steigenden Anzahl von Büchern in eigenem Besitz proportional dazu auch die Anzahl der Bücher steigt, die man (noch) nicht gelesen hat. Hier in unseren Kreisen nennt sich das SuB (Stapel ungelesener Bücher) oder - in schlimmeren Fällen - RuB (Regale...) oder gar ZuB (Zimmer...).
Eco mit seinen 30.000 Büchern gesteht ein solches Phänomen ebenfalls ein, wenn auch in weniger umgangssprachlicher Ausdrucksform. Er redet von einer "Unterlassungssünde", aufgrund derer die Bücher ihn jahrelang vorwurfsvoll vom Regal herab ansahen.

Nun, er spricht in der Vergangenheitsform. Nicht etwa, weil er plötzlich eine Methode gefunden hätte, die Zeit anzuhalten und doch alle 30.000 Bücher zu lesen. Oder weil er in einem Anfall von Hoffnungslosigkeit alle Bücher verkauft und sich einem anderen Hobby zugewandt hätte.
Nein, ihn traf eine Erkenntnis. Nämlich die, dass eine häusliche Bibliothek nicht nur ein Ort ist, an dem Bücher gesammelt werden, sondern auch ein Ort, der sie für uns liest. Hm?

Eco wäre nicht Eco, wenn er diese Erkenntnis nicht noch weiter ausführen würde. Ihm sei mehrfach aufgefallen, dass er, wenn er eines dieser vernachlässigten Bücher doch einmal zur Hand nehme und darin herumzulesen beginne, doch schon fast alles kenne, was darin steht.
Über dieses Phänomen hat er nachgedacht und drei mögliche Ursachen dafür herausgearbeitet. Entweder sei bei jeder Berührung des Buches - beim Abstauben oder Zurseiteschieben - der Inhalt desselben gewissermaßen über unsere Fingerkuppen in unser Gehirn gelangt. Oder beim Abstauben und Verschieben des Buches sei doch der ein oder andere Blick auf und in das Buch gefallen. Oder aber man habe im Verlaufe der Jahre andere Bücher gelesen, in denen von dem vernachlässigten Buch die Rede war, und so unbewusst gelernt, was es zu sagen hat. Eco glaubt in Wahrheit, dass alle drei Erklärungen richtig sind und sie auf geheimnisvolle Weise zusammenarbeiten und uns so mit dem Inhalt der ungelesenen Bücher vertraut machen.

An dieser Stelle habe ich erst einmal eine Lesepause eingelegt. Natürlich weiß ich von vielen der ungelesenen Bücher in meiner häuslichen Bibliothek (welch schöner Gedanke...), um was es darin im Wesentlichen geht. Alleine schon dadurch, dass ich zu etlichen dieser Bücher auch bereits Rezensionen gelesen habe.
Aber würde ich deshalb behaupten, schon fast alles zu kennen, was darin steht? Wohl kaum.

Doch dann ist mir eingefallen, worin der Unterschied zwischen Eco und mir liegen könnte - abgesehen einmal von der Bücheranzahl unserer privaten Sammlungen.
Ich wische einfach zu selten Staub!

© Parden






 

1 Kommentar:

  1. Zu Eco gibt es sicher so nach und nach noch viel zu schreiben.

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