Sonntag, 26. Mai 2013

Eco, Umberto: Die Kunst des Bücherliebens

(zuerst veröffentlicht unter buchgesichter.de am 20.12.2010)

"Ein Buch ist unersetzbar. Was in ihm 'drinsteht', kann man vielleicht auch anders mitteilen, doch jeder wirkliche Leser weiß, daß ihm sein Lieblingsbuch nur in der Form etwas bedeutet, wie es bei ihm im Schrank steht". (Klappentext)

Umberto Eco, Professor, Romancier (ob er den Begriff leiden kann?), Bücherliebhaber, Sammler, Autor von "Der Name der Rose" und so komplizierten Werken wie "Das Foucaultsche Pendel" hat hier ein Buch verlegt, besser Auszüge aus mehreren Werken bzw. einzelne Aufsätze, die sich mit Büchern, wie sollte es auch anders sein, befassen.

Der geneigte Leser lernt etwas über Bibliophilie, Bibliomanie und den gemeinen Sammler und außerdem zwischen diesen Formen zu unterscheiden. Dies geschieht in durchaus humorvoller Art und Weise, wenn sich Eco zum Beispiel über das "pflanzliche Gedächtnis" auslässt, ausgehend davon, dass Bücher ja aus Pflanzen hergestellt werden, zumindest wenn die Seiten aus Papier oder Papyrus sind und nicht aus Pergament und wenn man von den Einbänden absieht, welche aus Leder oder Holz waren, sofern das Buch nicht sowieso eine Rolle darstellt.

Da es historische Bücher, vor allem aus dem 16. und 17. Jahrhundert dem Meister besonders angetan haben, lässt er sich breit über solche aus. Dies ist wohl der Teil des Buches, der als sehr speziell angesehen werden muss. Wen also "Hanau 1609" nicht interessiert, kann getrost weiter blättern um etwas über literarische Narren und ihre "Curiositäten" zu erfahren.

So zum Beispiel, warum ein vierzigzeiliges völlig nichtssagendes Gedicht zu einem mehrfach aufgelegten 200seitigem Band führt, den der Professor trotzdem in seiner dreißigtausend Bände zählenden Bibliothek im Mailand aufbewahrt. (Und sich auch noch daran erinnert…)

"War Shakespare zufällig Shakespheare?" fragt er etwas später und beantwortet diesen nun schon lange währenden Streit auch nicht.
Schön zu lesen war auch der "Innere Monolog eine E-Books", der uns zu denken geben sollte.

Es ist schon verwunderlich: Alle Welt spricht vom Untergang der Literatur oder dass kein Mensch mehr liest, oder dass Kinder nicht mehr lesen, oder dass das Internet das Lesen verdrängt. Aber gleichzeitig wurde noch nie soviel gedruckt wie heute. Auch darüber schreibt Eco, dessen nicht nur einfaches Buch ich den wirklichen Bücherliebhabern unter euch nur wärmstens empfehlen kann. Ich hab´s wärmstens von einer von euch geschenkt bekommen.

PS: Wer nur Fantasy oder Vampirbücher liest, kann die Finger von lassen, wer aber außer diesen auch noch anderes mit Interesse verschlingt, also vielleicht bibliophil ist, der kann es versuchen. 


> zum Autor
> Deutsche Nationalbibliothek

© karatekaDD; 15.06.2013

Kommentare:

  1. sind den nicht alle Bücher des semiotischen Professors lesenswert?

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Naja, wenn man Zeit und Muße hat, viel im Internet nachzuschlagen, schon... Werde mich Ende Juni in einer Leserunde mal "Baudolino" widmen. Den hast Du ja schon gelesen, vielleicht löchere ich Dich ja mit Fragen... *grins* :D

      Löschen