Sonntag, 26. Mai 2013

KaratekaDD erklärt... die Sache mit den Büchern

Ich würde ja fast sagen, dies ist eine Reihe. Zumindest ist es eine Reihe nicht ganz ernstgemeinter philosophischer Betrachtungen über Bücher. Geschrieben hab ich diese mehseitige "literaturwissenschaftliche Abhandlung" für die Buchgesichter, die sich nicht nur in Folge dessen dahingehend outeten, dass sie BIBLIOPHIL seien. Selbst wäre ich vielleicht nicht darauf gekommen, schuld ist einzig und allein Umberto ECO, der Romancier, welche DER NAME DER ROSE geschrieben hat.
Entstanden sind diese bibliophilen Ergüsse, bei denen ich wahrscheinlich auch was getrunken habe alle im Jahr 2011. Das war eine sehr schaffensreiche Zeit bei den Buchgesichtern.

Caput 1
Das ist so eine Sache mit den Büchern. Da gibt es welche, die liest man und vergisst sie wieder, andere bleiben einem ewig im Gedächtnis. Und dann gibt’s welche, dazu fallen einem immer wieder mal Geschichten ein.
Darum lässt sich KaratekaDD noch einmal auf UMBERTO ECO ein und das Buch DIE KUNST DES BÜCHERLIEBENS. Gleichzeitig verweist er auf Rezension und Geschichte dazu. Von letzterer hat ein Buchgesicht behauptet, es wäre seine Beste. So was. Aber stolz macht´s. Tut nichts zur Sache hier.

Was erklärt man einem Besucher, wenn der im Angesicht wohl gefüllter Regale fragt: "Haben Sie die alle gelesen?"
Laut ECO gibt’s darauf drei Antwortmöglichkeiten, die den Besucher schier vor Ehrfurcht in den Boden versinken lassen.
Die erste Antwort lautet: "Nein. Hätte ich sonst hier behalten?" - Der gemeine Besucher stutzt, je nach Intelligenzquotient ist er mehr oder weniger lange mindestens verblüfft. Aber die zweite Antwort ist etwas impertinenter: "Nicht nur die, lieber Freund, nicht nur die!". Vielleicht denkt der Besucher an Bibliotheken, aber je nach sichtbaren Regalen wird er erschlagen. Erkennt er erste Antwort als Witz, hier kommt er ins grübeln.
Am schönsten ist aber Ecos Antwort Nr. 3: "Nein! Das sind die, die ich bis Ende nächste Woche lesen muss, die anderen habe ich in der Uni."
Damit erreicht der semiotische Professor folgendes: Der unglückselige Frager ist "…nur noch darauf bedacht, den Moment des Abschieds durch Verweis auf jähe Verpflichtungen vorzuverlegen." Weniger wichtig ist, dass der Professor eine Bibliothek von ca. 30000 Bänden sein Eigen nennt. Also nur 28000 mehr als der Verfasser dieses literarischen Geflüsters.

Dies erzählte KaratekaDD vor einigen Tagen einem anderen KaratekaDD, welcher von Beruf Historiker ist und viele Bücher im Regal hat. Dem hat das natürlich gefallen. Einige Minuten später unterhält sich KaratekaDD mit eben Erwähntem darüber, dass die Bücher zwecks Durchblicks in eine Datenbank eingegeben werden müssen. So kommen sie auf die Anzahl der Datensätze. Nun wäre das alles ja gar nicht erwähnenswert, denn über Datenbanken haben sich die Buchgesichter gelegentlich ausgetauscht. Aber nun sitzt da ja plötzlich ein, nun ja, noch nicht ganz so meisterlicher KaratekaDD - ein Kohai - ein Schüler, und hört andächtig, wie sich die Meister über Bücher unterhalten. Selbst hat er wohl weniger im Besitz und außerdem übten sich die Meister gerade nicht in Literatur sondern im informationalistischen Zusammenzählen ihrer Druckwerke unter zu Hilfenahme von überdimensionalen Taschenrechnern mit Monitor. "2000", sagt KaratekaDD 2 zu KaratekaDD 1.
"Hast du die alle gelesen?", fällt der Kohai dem jüngeren Meister mit dem höheren Meistergrad "ungehörig" ins Wort.
"Nein! Das sind nur die, die ich bis Ende der Woche lesen muss…", antwortet der wie aus der Pistole geschossen und tot ernst, worauf der Kohai es vorzog, sich unter seinesgleichen zu begeben. (In Wahrheit geht es bei uns freundlich zu und die jeweiligen Qualifikationen spielen nur im Training eine Rolle)
Was lernen wir daraus? Eco lesen bildet nicht nur…
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Was bedeuten nun eigentlich die Bücher für uns? Der Professor meint, sie bilden ein "pflanzliches Gedächtnis", weil sie in der Regel aus Papier gemacht werden, die Seiten und gelegentlich der Einband wurden nun aus Holz hergestellt, für den Einband kam dann auch Leder dazu. Früher war es aus Papyrus, also ebenfalls pflanzlich. Zeitweise hat man Lumpen genommen. KaratekaDD kann es nicht lassen und meint, euch der Vollständigkeit halber belehren zu müssen:
"Papier (von französ.: Papier, aus griechisch πάπυρος pápyros, „Papyrusstaude“) ist ein Material, das vorwiegend zum Beschreiben und Bedrucken verwendet wird und größtenteils aus pflanzlichen Fasern besteht. Weitere wichtige Einsatzgebiete sind Verpackungen (Pappe, Karton), Hygienepapiere wie Toilettenpapier und Spezialpapiere wie Tapeten. Heute wird Papier in der Regel aus Zellstoff oder aus Holzstoff (aus Holzschliff) hergestellt. Wiederverwertetes Papier in Form von Altpapier stellt mittlerweile eine wichtige Rohstoffquelle in Europa dar. Normalerweise wird Papier als dünnes Substrat verwendet; es kann aber auch zu massiven Objekten wie Pappmaché geformt werden. In Japan und China wird Papier in der Inneneinrichtung vielfältiger verwendet, beispielsweise die japanischen Shoji, mit durchscheinendem Washi-Papier bespannte Raumteiler." (wikipedia - wie immer).

Pergament wurde allerdings aus Tierhaut hergestellt. Im neuesten Buch der Sabine Ebert, DER FLUCH DER HEBAMME, fragt ein junger Ritter einen Älteren ob es stimmt, dass der ungarische König alle Angelegenheiten, mit denen er sich befassen möge, schriftlich vorgelegt haben will. Das würde ja dazu führen, dass in der Puszta keine Zicklein und Lämmchen mehr zu finden wären, da alle zu Pergament verarbeitet würden. Vermutlich würde der König aber nur die Anzahl der Bittsteller verringern wollen.
Das ist wie mit unserer Steuererklärung. Die ist so kompliziert, dass manche die gar nicht machen, wodurch Vater Staat weniger zurück zahlen muss. Daher bleibt die auch so kompliziert. Na gut, die hatten damals Vorleser und Schreiberlinge, KaratekaDD hat nen Steuerberater und merkt gerade, er kommt ab vom Thema, denn er muss ja noch PERGAMENT definieren: "Pergament ist eine Tierhaut… " Ach, ich lass es, könnt selber mal nachschauen: http://de.wikipedia.org/wiki/Pergament.
Kurz und gut, Bücher sind also unser pflanzliches Gedächtnis. Wie kam es dazu? Das ist eine lange Geschichte, welche in Teil 2 erscheint, worin auch die Buchgesichter wieder eine Rolle spielen werden.
PS: Schreiberlinge und Vorleser waren bestimmt ebenso teuer wie Steuerberater.
PPS: a propos Tapete. Vor ganz vielen Jahren, mehr als zwanzig, richteten wir die Altbauwohnung meiner Schwester vor und mussten alte Tapete entfernen. Darunter kam eine zweite Schicht zum Vorschein. Diese bestand aus Exemplaren der SÄCHSISCHEN ZEITUNG und des NEUEN DEUTSCHLAND. Wichtige Informationsblätter über die Entwicklung der entwickelten sozialistischen Gesellschaft. Und mindestens 15 Jahre alt. Also etwa aus der Zeit, wo KaratekaDD zur Schule kam. Ich sag euch, unter welchen Umständen man so alles lesen kann… TAPETENGEDÄCHTNIS…

Caput 2
Wie war das mit dem pflanzlichen Gedächtnis? Dabei müssen wir sehr weit zurück. Ganz ganz früher, als die Erde nicht von durch den Menschen verursachte technische Katastrophen heimgesucht wurde und die auf eine Eiszeit folgende Erderwärmung nicht gleich zu schier unglaublichen wissenschaftlichen Hypothesen führte, kurz, zu einer Zeit, als den Golfstrom noch keiner kannte, gab es die ersten HOMINIDEN. Eigentlich heißen die HOMINIDAE, sie hießen auch mal PONGIDAE - aber das ist Latein und war den großen Menschenaffen völlig egal. Der Unterschied zu den HOMO SAPIENS SAPIENS soll, wenn man die sogenannte DESOXYRIBONUKLEINSÄURE heranzieht, auch nicht mehr als 3 % (???) betragen, aber die haben es in sich.
HOMO SAPIENS bedeutet EINSICHTSFÄHIGER, WEISER MENSCH. KaratekaDD lacht sich schlapp. Gucken wir mal in den Spiegel. Was sehen wir da? Einsichtvoll? WEISE? Blödsinn - wir sehen bibliomanische Büchermäuse…
Diese Büchermäuse gehören also zur Art MENSCH, diese zur Gattung MENSCHEN (Homo), unter dem Tribus HOMININI in der Familie der HOMINIDAE - der Menschenaffen in der Überfamilie der menschenartigen HOMINOIDEA unter der Teilordnung ALTWELTAFFEN oder CATARRHINI. So jetzt wist ihr es - ihr Altweltaffen.
Schweif ich ab? Kann sein…
Die Altweltaffen hatten sich noch nichts zu sagen. Sie haben vielleicht gemeinsam Bananen gefressen, aber höflich gefragt, ob sie von der reiferen Staude des Nachbarn naschen dürfen, haben sie nicht. Das war wohl auch noch so bei den HOMO SAPIENS NEANDERTHALENSIS, die nicht weit von uns wohnten - in Deutschland. Seit 1983 weis man, dass die vielleicht sogar sprechen konnten. (Die Deutschen waren schon immer gut drauf) Sogar extrahierte Gene weisen auf die Sprechfähigkeit hin.
Ob die aber wirklich gesprochen haben, wissen wir nicht.
Was hat das eigentlich mit UMBERTO ECO zu tun? Nun, der war der Meinung, bevor die Sprache entstand, worden die alten Neandertaler entweder weggeworfen oder gefressen. Nun weis zwar keiner, ob das Kannibalen waren, aber gehen wir mal davon aus, dass besonders alte Neandertaler, die auch gute Jäger waren und die meisten Nachkommen hatten, gefressen wurden, damit MANN selbst beim Jagen und beim Vernaschen der Neandertalerinnen leistungsfähiger wurde. Zu was anderem waren die alten Neandertaler, auch die deutschen, nicht zu nutzen. Aber es gab auch schon den etwas moderneren HOMO SAPIENS, welcher bereits neben dem Neandertaler dahinexistierte.
Und bei dem bildete sich die Sprache heraus. Plötzlich wurden die Alten wichtig. Vielleicht wurden sie zwar noch gefressen, aber weniger weggeworfen. Sie konnten nämlich von früher erzählen. Ob damals schon ein kleiner Naseweis mit den Augen rollte und erklärte: "Ooch, Opa erzählt vom Krieg…" - wissen wir nicht - kann aber sein. Dies würde bedeuten, dass die Erzählungen der Alten unterschiedlich gewertet wurden. Das wäre dann so wie heute gewesen.
Damals also war das Gedächtnis bereits KOLLEKTIV, aber nicht pflanzlich. Neben den Veröffentlichungen geschichtlicher und religiöser Ereignisse an Höhlenwänden wurde noch erzählt, wer wie viele Mammuts aufgespießt hat, Säbelzahntiger erlegt und die meisten geraubten Mädchen geschwängert hat. Außerdem, um mal was Positives zu den Mädchen zu sagen, die alten Mädchen konnten uralte Weisheiten zu Beeren, Wurzeln, Heilkräften weiter geben. Sie erzählten sich die ersten Kochbücher. Doch halt - Koch- ja, aber eben ohne Bücher. Und sie hatten richtig viel Erfahrung beim Kinderkriegen. Wegen der Leistungsfähigkeit von uns Männern. So was muss ja erzählt werden. Das nennt man den Kreislauf des Lebens.

Äh, … ach so Bücher.
Eco meint, dass die Menschen seit Adams Zeiten zwei Schwächen haben. Eine physische und Psychische.
"Physischerseits müssen sie früher oder später sterben, psychischerseits missfällt ihnen das. Da sie der physischen Schwäche nicht abhelfen können, versuchen sie sich auf der psychischen Ebene zu entschädigen, indem sie sich [z.B.] fragen, ob es eine Form von Weiterleben nach dem Tode gibt, und auf diese Frage antworten die Philosophie, die Offenbarungsreligionen…"
Oder die Reeinkarnationsideen der Asiaten. Das Problem ist hier die Frage: Wenn ich als Bücherwurm wieder geboren werde, kann ich mich dann noch daran erinnern, dass ich KaratekaDD war und heute über das lustvolle Schwängern von bibliophilen Büchermäusen nachgedacht habe oder mich ans Schwängern erinnern kann, falls es dazu kommt? Ihr Hübschen - ihr…
Kurz gesagt, über solche Erfahrungen kann ja nun keiner nach dem Ableben mehr berichten. Blöd das Ganze. Aber zum Glück erfanden unsere Vorfahren irgendwann die Schrift. Hach! Welch Fortschritt.
Nun kann sich zwar rückwirkend immer noch keiner dran erinnern, aber aufschreiben kann man den ganzen Unsinn schon. Zuerst einmal in Steine und Ton, mit Keilschrift und dann mit Hieroglyphen. Als steinernes oder tönernes Gedächtnis. Und dann?
Der Durchbruch. Irgendwo im Morgenland wuchs ein Stoff, den nannte man Papyrus. Schilfrohr oder so was ähnliches. Keine Ahnung - schauen wir nach? Na, ihr könnt euch ja nicht wehren.
"Die Papyruspflanze bzw. das Papyrusdickicht wurden in Ägypten mit „djit“ oder „tjufi“ bezeichnet. Der einzelne Stängel mit Dolde hieß „wadj“, wovon sich die Bedeutung „grün, frisch sein, gedeihen“ ableitet. Der für das Schreiben bearbeitete Papyrus wurde „djema“ genannt, eine einzelne Seite „qahet“ und eine Rolle „aret“. Das griechische Wort „papyros“ (πάπυρος) wird auf ein rekonstruiertes ägyptisches Wort „pa-en-per-aa“ zurückgeführt, was etwa „Das des Pharao“ bedeutet. Dies ist ein Hinweis darauf, dass die Herstellung von Papyrus während der Ptolemäerzeit unter königlichem Monopol stand." (woher? - natürlich: wikipedia)

Wie man es hergestellt hat? Mark in Streifen schneiden, überlappend nebeneinanderlegen, kreuzweise überlagernd, pressen, klopfen, der klebrige Pflanzensaft hält es zusammen. Dann trocknen. Dann bemalen, oder beschreiben. Ganz einfach.
Das Papier allerdings entsteht in China. Aus Seidenabfällen, alten Lumpen und Bast des Maulbeerbaumes. Die Fasern werden gekocht, geschöpft, ausgepresst getrocknet und geglättet. Dann konnte man drauf schreiben. Zum Beispiel KING PING MEH. Porno aus dem alten China, aus dem 16. Jahrhundert. Also relativ modern, obwohl die Handlung im 12. Jahrhundert spielt. Das Buch, nicht der Sex. Den gab es schon, als das alles noch erzählt werden musste.
Pflanzliches Gedächtnis war entstanden…

Jetzt wurden die Alten wieder nutzlos. Ganz schön gemein…
Über den Nutzen moderner Bücher und über das Sammeln im Allgemeinen oder das Sammeln von Büchern im Besonderen, vor allem von schier endlosen Reihen von Fantasy denk ich demnächst mal im dritten Teil nach…

Caput 3
KaratekaDD geht davon aus, dass wir bisher ganz gut zusammengefasst haben, was BIBLIOPHIL ist und noch manches mehr. Nun gehen wir auf ähnlich pseudowissenschaftliche Weise auf das Thema Buch vs. Internet ein. KaratekaDD weiß auch noch nicht wohin das führt.
Wie war das? Wir hatten zuerst das kollektive und dann das pflanzliche Gedächtnis. Heute kommt eins dazu, das besteht unter anderem aus Silizium. Das ist ja nun doof. Denn seit man dazu übergangen ist, riesige Textsammlungen nicht mehr mit, z.B. im deutschen mit 24 Buchstaben zu drucken, sondern dieselben in Dualsystem als 1 und 0 auf irgendwelche Server zu kopieren, sieht man ja gar nicht mehr durch. Komisch ist nur, dass nach wie vor irrsinnig viel gedruckt wird. Aber das ist ein Kreislauf. Was ich einspeise, kann ich auch ganz schnell drucken und zwar ohne erst einzelne Lettern setzen zu müssen. Wie sagte Otto einst? "This is a letter for you." (Hier ist eine Leiter für dich.)
Wegen dem dummen Ding, dem Computer, bräuchten wir vermutlich oder eigentlich keine Bibliotheken mehr. Steht ja alles drin. Das erschlägt einen. Meint auch Eco. Nach ihm werden wir völlig von Informationen überflutet.
"Zu wissen, daß es über Julius Cäsar zehntausend Bücher gibt, ist dasselbe, wie nichts über ihn zu wissen; wäre mir ein Buch empfohlen wurden, hätte ich es mir besorgen können; vor der Aufgabe, diese zehntausend zu erkunden, kapituliere ich."
Dummerweise kommt noch dazu, dass die Bücher von heute eine geringere Halbwertzeit aufweisen, da die Bücher seit Mitte des 19. Jahrhunderts aus Holz gemacht werden statt aus Lumpen. Lumpenbücher halten viel länger. Auch mit lumpigem Inhalt. Insofern ist es vielleicht nicht schlimm, dass bestimmte Bücher dieses Jahrhundert nicht überdauern.
KaratekaDD bezweifelt nämlich, sich gleich mal wieder unter den Tisch hockend, dass BLACK DAGGER & Co. es wert sind, das Jahrhundert zu überdauern. Wegen dem Scheiß-Computer aber und dem dämlichen E-Book, werden die Bücher aber nicht einfach zerfallen, sie brauchen auch nicht nachgedruckt zu werden. Nein, der Text, bestehend aus Einsen und Nullen, bleibt auf irgend einem nicht papiernen Datenträger kleben. So dass sich der Leser in 100 Jahren wundern kann, was Buchgesichter heute alles gelesen haben. Wie peinlich. Aber vielleicht liest der in der Zukunft ja auch im Schlaf mit einer Art Kopfhörer oder einer Sonde im Ohr.
Nebenbei versuchen amerikanische Universitäten ihre universalen Werke auf säurefreiem Papier zu drucken, damit das wissenschaftliche Zeug wenigstens erhalten bleibt. Was aber glücklicherweise auch bestätigt, nur am Computer lesen ist doch auch Sch…

Eben les ich was davon, dass der Zeitgeschmack sich im Wert eines Buches häufig irrt. Dantes GÖTTLICHE KOMMÖDIE wäre fast eingestampft wurden im 18. Jahrhundert. Nun, KaratekaDD hat Geschmack, ist aber leider nicht der Zeitgeschmack. Euer Glück!
Vielleicht wird der noch ungeschriebene Roman BIS(S) ZU OSTERN oder WIE VAMPIRE EIER BEMALEN gleich auf säurefreiem Papier gedruckt. Und die bisher gedruckten wie z.B. BIS(S) UNTERM WEIHNACHTSBAUM oder DIE STUMPFEN ECKZÄHNE werden für teures Geld imprägniert. Nun, bei THALIA gibt es einen neuen E-Book Reader für NUR 138 Euronen. E-Books kosten heute ungefähr soviel wie die jeweilige Taschenbuchausgabe.
KaratekaDD will aber hier nicht den gesamten Eco nacherzählen.
Er schließt einfach mal den Kreis mit einem letzten Zitat, wohl wissend, dass dieser letzte Teil anders ist als die Vorgänger. Nebenbei hat er es dann geschafft, auf 9 Seiten in 84 Absätzen und 418 Zeilen, 3865 Wörter mit 22173 Zeichen bzw. 26051 Buchstaben mit Leerzeichen für ein 185 Seiten starkes Buch hier zu hinterlassen.
Unausgedruckt. Versteht sich. Wegen der Umwelt. Weil, KaratekaDD hat es schon mal geschrieben:

"Quis leget haec?" - Suchet so werdet ihr finden, die Übersetzung meine ich natürlich.
Ein Hoch auf den Computer. Stellt euch vor, ich hätte die Zeichen einerseits von Hand schreiben und andererseits noch zählen müssen.
Nun zum letzten, dem leicht durch KaratekaDD verfälschten Zitat:
"Es ist eines, über Bibliophilie von Bibliophilien zu sprechen und etwas anderes, darüber mit sozusagen normalen Leuten zu reden. Die wahre Crux eines Sammlers kostbarer Bücher ist: Wenn er Rennaissance-Gemälde oder chinesisches Porzellan oder Kaugummibilder von früher oder Bierlaster aus dem Getränkemarkt sammeln würde, könnte er sie im Wohnzimmer ausstellen und alle Besucher wären begeistert. Der Bibliophile dagegen weiß nie, wem er seine Schätze zeigen soll: Die Nichtbibliophilen werfen einen zerstreuten Blick auf sie und begreifen nicht, wieso das letzte Exemplar von BI(S) IM BADESEE oder NESSI HAT AUCH SPITZE ZÄHNE, dass das Buchgesicht vor zwei Stunden aus der Buchhandlung mitbrachte und welches als Mängelexemplar deutlich im Preis herabgesetzt wurde, des Buchgesichtes ganzen Stolz darstellen kann. Die andern Bibliophilen lassen oft Anflüge von Neid erkennen - auch sie hätten den dicken Schmöker gern und ärgern sich - oder von Verachtung, denn sie haben ein Exemplar in Leder und Goldschnitt auf säurefreiem Papier gedruckt im Schrank, oder erklären einfach: SO WAS les ich nicht!"
Das wars. Oder noch nicht so ganz…

Caput 4
Zum Schluss muss ich noch einiges los werden. Nämlich etwas geistvolles betreffend die historischen Romane. Was ist das überhaupt: ein historischer Roman?
„Der historische Roman ist ein fiktionales Prosawerk, das in einer historischen Zeit spielt.“
Ach!?
Angeblich beginnt seine Ära in Deutschland. Mit einer Schriftstellerin namens Benedikte NAUBERT (1752–1819). Von der soll dann Walter SCOTT inspiriert wurden sein. Ach so. Kennt die einer? Ich nicht. Ich schau jetzt auch nicht weiter nach. Ich hab ja gerade Umberto ECO´s Nachschrift zu DER NAME DER ROSE gelesen. Das reicht zur Erklärung. Das könntet ihr auch mal lesen. Es ist ein wichtiges Werk. Und notwendig. Sonst begreift man gar nichts. Mal abgesehen davon, dass KaratekaDD nur die Hälfte begriffen hat. Er weiß auch, kein Mensch würde jemals eine Nachschrift zu den Büchern einer gewissen S. MEYER fordern. Wie sollte die dann heißen? BISS ZUM NACHTISCH ODER DAS IST DAS LETZTE WAS IHR VON MIR GELESEN HABT. (Schön wärs *grins*) So viele Buchgesichtermädels könnten dann im Jahr 2012 auf die einzig waren Romane, auf historische Romane zurückgreifen. Wo sich doch deren Autoren so viel Mühe machen mussten. Wie Professor Umberto, der mir das bekannte Interview gewährte. Immerhin müssen Autoren historischer Romane sehr sehr viel recherchieren. Über die Zeit, in der der Roman spielen soll zum Beispiel. Ob historische Persönlichkeiten mitspielen. Und wenn ja, wann und wo deren Auftritt nicht nur wegen der Handlung, sondern auch historisch möglich ist.
d´Artagnan & Co sind keine historischen Figuren. Richelieu und Mazarin, Anna von Österreich auch. Konstanze Bonacieux ist nicht historisch, aber zu Anna hat sie eine intime Beziehung. Nein, nicht was ihr denkt. Was ihr denkt, dass bekommt Konni von d´Artagnan selbst. Nee, Anna wird von Konstanze nur an- und ausgezogen. Oder überbringt Nachrichten. Bis sie von Mylady vergiftet wird. Auch keine historische Person aber Oberschurkin im Auftrag der historischen Person Richelieu. Ganz schön kompliziert, was so ein historischer Romanautor beachten muss. S. MEYER braucht nur drauf los zu schreiben und zuzusehen, dass die maximal den Nerv der Hälfte des lesenden Menschengeschlechts trifft. Die andere Hälfte hat es mehr mit historischen Romanen. Meint ihr nicht auch? Noch mal zu d´Artagnan & Co. Als Musketiere des Königs müssen sie Sachen machen, die Musketiere des Königs halt machten. Zum Beispiel in La Rochelle kämpfen und für oder gegen die Fronde. (Was das ist – nu da gugge doch eemal in ä Lechsigonn) Das Halsband hätte d´Artagnan auch im 18th Century für seine geliebte Herrscherin mausen können.
Umberto ist aber auch der Meinung, dass man aus alten Zeiten auch in Form einer Romanze erzählen kann. Romanze: Eine Romanze (von span. el romance = „das in der romanischen Sprache Geschriebene“) ist eine lyrisch-epische Verserzählung, die aus der spanischen Literatur stammt. Davon gibt’s vier spanische Varianten:

1. Romanzen über historische Ereignisse
2. Romanzen nach karolingischen/bretonischen Sagen
3. Romanzen über Kämpfe zwischen Mauren und Christen
4. maurische Romanzen (nach dem Sieg über die Mauren)

In Deutschland haben sicher HERDER, GOETHE, EICHENDORF, UHLAND, BRENTANO. Seitdem kann man aber Romanzen nicht mehr richtig voneinander unterscheiden. Aber ich schweife ab und erklär nur noch: Wie wärs Mädels mit historischen Romanzen? Aber habt ihr auch festgestellt, dass hier eben nicht einmal das Wort LIEBE vorkam? Weil ROMANTISCH was anderes ist…

Mein Freund, Professor Umberto, den ich seit dem letzten Interview duzen darf und der mich KaratekaDD nennt, meinte auf die Frage, mit welcher Figur er sich in IL NOME DELLA ROSA am meisten identifiziere: „Mit den Adverbien natürlich! – Sinnlose Frage…“
Die sinnloseste Frage: „Wolltest du, Professor, mit diesem Roman aus der Gegenwart fliehen?“
ECO: „Klar doch, KaratekaDD. Wie Karl MAY. Der log uns was über die Indianer seiner Zeit vor. HEBBEL machte sich schon zu den NIBELUNGEN davon. Und STENDHAL erzählt in der KARTAUSE von 20 Jahre altem Kram…“
(So was Dummes hab ICH natürlich nicht wirklich gefragt.) 

Da ich aber nichts Neues zum Thema beitragen kann, lasse ich meinen Freund, den Professor der SEMIOTIK noch einmal zu Wort kommen:
„…. Alle Probleme des modernen Europa… [sind] im Mittelalter entstanden[], von der kommunalen Demokratie bis zum Bankwesen, von den Städten bis zu den Nationalstaaten, von den neuen Technologien bis zu den Revolten der Armen: Das Mittelalter ist unsere Kindheit, zu der wir immer wieder zurückkehren müssen, um unsere Anamnese zu machen. Aber man kann vom Mittelalter auch im Stil von Excalibur erzählen.“
Daher gibt es drei Möglichkeiten, aus alten Zeiten zu erzählen. Die Romanze (siehe oben), den Mantel- und Degen Roman (siehe noch mal nach oben) und den wahren historischen Roman. In dem brauchen keine bekannten Persönlichkeiten der Geschichte aufzutreten. Das Denken und Handeln der Protagonisten muss nur dem Denken und Handeln der jeweiligen Zeit entsprechen. Das macht dann den wahren historischen Roman aus. Schon deshalb sind die Bücher um EDWARD & BELLA keine historischen Romane, denn deren Handeln und Denken, sogar deren Fühlen entspricht keiner bekannten historischen Epoche.

Ist jetzt allen klar, was ein historischer Roman ist? Und warum KaratekaDD von diesen nicht wegkommt? Ich verabschiede mich also in das neue Jahr mit diesem Abschluss der Reihe „KaratekaDD erklärt… die Sache mit den Büchern“.


© karatekaDD im Dezember 2011

1 Kommentar:

  1. Hui - viel Text auf einmal. Aber wieder mal schön zu lesen! :D

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